Nora 10 Monate in Tschechien
Final Countdown: Five days to go…

Es ist Dienstagabend und ich sitze mit Laptop auf dem Schoß und Nosliw auf den Ohren in meinem Bett und betrachte meinen letzten Blogeintrag. Ist es wirklich schon 4 ½ Monate her, dass ich das letzte Mal geschrieben habe?! Sind es wirklich nur noch fünf Tage und meine Zeit hier ist beendet?! Zehn Monate einfach so vorbei?! Unglaublich! Aber die Zeit verging viel zu schnell und ich muss zugeben, dass ich einfach auch zu faul (aber auch zu beschäftigt war), um aus meinem Plzener Leben zu berichten. Zudem je mehr Zeit verging, desto mehr verging mir die Lust, alles nachzutragen. Nun sind es aber wirklich nur noch ein paar wenige Tage bis ich nach Dortmund zurückkehre und so langsam fühle ich mich verpflichtet, mal wieder etwas zu schreiben. Wenigstens so eine Art „Abschlußbericht“.

Nun ist es wirklich schon Ende Juni und mir bleiben nur noch fünf Tage in meiner, mir doch inzwischen sehr lieb gewordenen, neuen Heimat Tschechien.

Die letzten vier Monate waren durchweg von Besuchen und eigenen Reisen geprägt. Ich glaube, ich hatte kaum „freie Wochenenden“, alleine in Plzen – denn halb Dortmund war zugegen, sowie diverse andere Freiwillige, Amerikanerinnen, etc. Die letzten vier Monate (wovon ich schon alleine einen Monat nicht in Tschechien war) waren wirklich sehr sehr traumhaft, mit unglaublich vielen Erlebnissen, die ich jetzt kaum alle nachtragen kann. Dafür ist einfach zu viel passiert: Ich war auf Festivals, bin mit Lene durch den Osten getourt, habe mit Ulli und Marisa Wein en masse getrunken, mit Nina Piratenpartys gefeiert, mit Honza ein wundervolles französisches HipHop Konzert erlebt, bin mit einer Horde Jugendlicher Snowboarden gewesen, und noch so viel mehr… Zu viel um wirklich alles ausführlich zu erzählen! Dennoch ich werde mein Glück versuchen und wenigstens ein bisschen was berichten. Wo fang ich also an?! Nunja, am besten genau dort wieder, wo ich aufgehört habe…

Februar und März: Besucher aus aller Welt. Eigene Reisen. Französischer HipHop und tschechische Schimpfwörter.
 Mitte Februar kamen Leni und zwei Amerikanerinnen, Lynn und Sujin, vorbei. Das war wirklich grandios und die beiden Amerikanerinnen waren sehr entzückend. Ich hatte ja wirklich keine Ahnung, was mich da erwarten wird. Der Besuch der beiden war mal wieder so eine Spontan-Totem-Aktion, die wir inzwischen schon sehr gewöhnt sind. Aber wir wurden definitiv nicht enttäuscht. Die beiden, u.a. auch Film- und Fotografiestudentinnen, waren ziemliche kreative Köpfe und ich konnte mich kaum retten vor kreativem Input.

Stadtrundgänge und Sightseeing-Trips wurden zum Abenteuer, da wird ständig auf der Suche waren, irgendwelche Gegenstände, die an Gesichter erinnern, zu fotografieren. Interessant waren auch die diversen Diskussionen mit den beiden, durch die ich viel Einblick in die amerikanische Kultur und Politik bekommen habe. Es war einfach mal etwas anderes mit Amerikanerinnen über ihr Land zu diskutieren, als immer nur aus der Ferne alles zu be- und vor allem auch zu ver-urteilen. Nach ihrem Besuch, habe ich mir fest vorgenommen, irgendwann auch mal in die USA zu reisen, einfach nur um eine etwas persönlichere Einsicht zu erhalten. Aber vorher habe ich noch einige andere Ziele – erstmal auf jeden Fall wieder Südafrika. Das ist so eine kaum stillbare Sucht…

 Ende Februar ging es dann mit den Salesianern in die Nähe von Klinovec, um dort den letzten Rest Schnee aufzusuchen. Unterwegs war ich mit einer Horde Breakdancern und HipHoppern zwischen 16 und 18 Jahren, dabei nur ein Mädchen, und vier Leitern.

Nachdem wir am Mittwoch unsere sehr gemütliche, aber auch sehr kalte Hütte bezogen hatten, ging es dann direkt noch abends zum „Nachtsnowboarden“ auf die Piste. Ebenso am nächsten Morgen, nachdem uns Milan mit Gitarrengesang geweckt hatte (so bitte möchte ich jeden Morgen geweckt werden!), ging es bereits wieder früh in die ‚Berge’ -  naja…ich würde sie jetzt nicht wirklich als Berge bezeichnen, sind eher so Hügel, die ans Sauerland erinnern.

Das Snowboarden am Donnerstag war dann leider eher ätzend: Es hat ununterbrochen geregnet und wir waren alle bis auf die Haut durchnässt und ich glaube, es hat sich keiner beschwert, als wir dann Mittags wieder in unsere Hütte zurückgekehrt sind. Die nächsten Tage wurde es dann aber zum Glück  besser – sogar geschneit hat es noch einmal und so hatten wir noch ein paar wundervolle Stunden im Schnee.

Von der Zusammensetzung der Gruppe war ich ganz entzückt – die Jugendlichen waren alle sehr süß und ich habe sie in diesen paar Tagen echt lieben gelernt. Anfangs hatte ich einige Bedenken, in wie weit ich mich in die Gruppe, allein schon Kommunikationstechnisch, integrieren kann. Jetzt kann ich sagen, dass es eigentlich gar kein Problem war. Den Tag auf der Piste z.B, habe ich ausschließlich unter den Jugendlichen verbracht und die haben mich wirklich überall mit hin geschleppt. Auch wenn es nicht immer ganz einfach war, sich zu verstehen – ist deutscher HipHopSlang für Ausländer auch so kompliziert?! – hat es irgendwie funktioniert. Und danach konnte ich dann auch wirklich die unterschiedlichsten und interessantesten tschechischen Schimpfwörter, die ich hier lieber nicht veröffentlichen möchte. Ich hoffe, nächstes Jahr zwischen Studium und anderen Aktivitäten werde ich wieder Zeit haben um mit ihnen in den Schnee zu fahren.

Am Sonntag Abend sind wir alle dann wieder zurück nach Plzen gefahren. Dort angekommen ging es für mich direkt mit Honza weiter nach Prag auf ein Konzert, für das Honzas Mitbewohner übers Radio Karten gewonnen hatte, selber aber nicht hinfahren konnte. Das war eine ziemlich spontane Aktion und ich hatte wirklich keinen Schimmer, was mich erwarten wird. Ein wenig skeptisch war ich ja schon. Dank Honza hatte ich mir auch schon mal 1 ½  Stunden Eric Ross angetan – ein unglaublich schreckliches Konzerterlebnis, dass ich gerne verdränge. Dieses Mal hatte ich aber Glück: Die Karten waren für ein französisches HipHop Konzert, dass einfach unglaublich war! Noch jetzt bin ich ganz entzückt, wenn ich daran zurückdenke. Auch die Rückfahrt nach Plzen habe ich in sehr guter Erinnerung - dabei durfte ich im Bus nämlich neben dem vermutlich tollsten Tschechen, der mir bisher hier begegnet ist, sitzen. Leider fuhr er weiter nach Amsterdam, aber immerhin die Fahrt bis Plzen konnte ich ihn toll finden, mit ihm über den Film Troja debattieren (hatte er bereits viermal gesehen – da wurde ich dann aber doch etwas skeptisch...) und seine M&Ms aufessen. Im Nachhinein erinnere ich mich aber nur noch schemenhaft an diese Rückfahrt und frage mich manches Mal, ob es nicht eventuell am Biereinfluss lag, dass ich dem Charme des Troja-Fans erlag?!

Nachdem ich dann irgendwann im Bett lag, musste ich nach vier Stunden schon wieder aufstehen, da Jana und ich zum Arzt mussten, um dort ein Dokument zu bekommen, das uns berechtigt in Cafés mit Lebensmitteln zu arbeiten. Seit Anfang März arbeiten wir nämlich bei Kacaba. Kacaba ist ein Café in dem Behinderte und Nicht-Behinderte zusammenarbeiten. Der Sinn Kacabas ist, Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt zu integrieren. Die Arbeit dort gefällt mir, solange nicht ätzende Praktikantinnen, die hinter meinem Rücken über mich lästern (und meinen, dass ich es nicht mitkriege – bin ja Ausländerin, kann nur begrenzt Tschechisch und bin demnach minderbemittelt…blablubs) da sind, auch sehr gut. Vorallem bin ich inzwischen super mit der Kaffeemaschine vertraut und kann inzwischen alles von Espresso bis Latte Macchiato perfekt zubereiten – also freut euch auf die Zeit, wenn ich wieder da bin. Die wundervolle Kaffeemaschine fehlt zwar, aber an sich kann man alles von Espresso bis Eiskaffee auch ohne besondere Gerätschaften vorbereiten. Das ich Clovicek gegen Kacaba getauscht habe war eigentlich die größte Arbeitsumstellung meinerseits. Die restlichen Projekte haben sich nicht groß geändert und viel gibt es von ihnen auch nicht zu berichten.

Das zweite Märzwochenende bin ich dann wieder auf weite Reise gegangen. Sechs Stunden bin ich mit diversen Bussen und Zügen gereist, um zu Lene in Prostejov zu gelangen. Denn Lene und ich wollten auf Entdeckungsreise gehen. Unser Ziel war Fulnek. Dieses Jahr habe ich nämlich von meinem Großvater erfahren, dass er in Ostrava (damals Mährisch Ostrau) zur Welt gekommen ist und daraufhin fünf Jahre in Fulnek (Nähe Ostrava) gelebt hat. Da Lene gar nicht so weit von Fulnek entfernt lebt, haben wir ein gemütliches Wochenende in Prostejov verbracht, mit chinesisch Essen gehen und Bier trinken in Olomouc, viel reden, gut kochen bei Lene Zuhause und einem samstäglichen Fulnekausflug. Zu Fulnek: Es ist ein ziemlich kleines Städtchen mit ein paar hübschen Häusern und Sehenswürdigkeiten. Dennoch leben könnt ich dort vermutlich niemals – dafür war einfach zu wenig los… Trotzdem haben wir einige interessante Sachen entdeckt, u.a. die Schule meines Opas. Natürlich wurde alles dokumentiert und festgehalten, um es meinem Opa an seinem 80. Geburtstag vorführen zu können. Für mich war es schon sehr interessant. Irgendwie war mir vorher noch nie klar, dass ich auch Wurzeln hier in Tschechien habe.

Das Wochenende darauf habe ich in Plzen verbracht und es kündigte sich mal wieder Besuch an. Zoryana (Ukrainin) und Noelie (Französin), beide auch Freiwillige, haben das Wochenende mit mir gemeinsam verbracht. Mit den beiden war ich auf den Seminaren und ebenso sind wir uns schon einige Male in Prag begegnet. Es war alles ziemlich lässig – ich glaube, wirklich viel haben wir nicht gemacht. Die meiste Zeit saßen wir eigentlich in Cafés und Restaurants, haben geredet und versucht Ukrainisch zu erlernen.

März und April: Rotwein en Masse. Abrisspartys. Dortmundflucht und nächtliche Einkäufe.
Nach diesem Chill-Wochenende kam am Mittwoch dann Marisa nach Plzen und daraufhin startete eine ziemliche rastlose Partywoche mit viel Alkohol. Viel bedeutet hier auch wirklich viel: Marisa war eine komplette Woche da und fünf dieser sieben Tage war ich (wir?) betrunken. Bereits am Mittwoch haben wir Wein en masse getrunken, so dass am nächsten Morgen alles nicht ganz so rosig aussah. Zum Glück musste ich nicht arbeiten und so hatten wir wenigstens eine Chance uns zu regenerieren. Dennoch war der Abend irgendwie zu heftig, sodass wir eigentlich nicht mehr zu viel in der Lage waren. Demnach haben wir den Tag zur Erholung genutzt, denn schließlich kam am Freitag Ulli nach, um unsere Truppe komplett zu machen. Mit Ulli im Gepäck ging es dann erstmal ins Kino. Ich habe nämlich als Freiwillige für das Filmfestival „Jeden Svet“ (=„Eine Welt&ldquo ausgeholfen und durfte so am Eingang des Kinos die Kinokarten abreißen. Anschließend zu dieser wirklich wichtigen Arbeit meinerseits, haben wir einen ziemlich langweiligen Film über uns ergehen lassen, um daraufhin einen Abend voller Wein, Bier, guten Gesprächen und viel Lachen zu starten.

Sehr verkatert haben wir uns irgendwann am nächsten Mittag Richtung Prag aufgemacht und dort eine Nacht bei Theresa verbracht. Den Samstag Abend haben wir erst auf einer ökologischen Farm mitten in Prag (dort arbeiten auch Freiwillige) verbracht, um uns das Fußballspiel „Deutschland – Tschechien“ anzuschauen und später dann im Akropolis, einem Prager Club, ausklingen lassen. Das mit dem Fußballspiel war wirklich eine sehr verzwickte Sache – als zehnmonats Tschechin darf ich mich da für Deutschland freuen?! Oder muss ich eigentlich hinter Tschechien stehen? Ulli und Marisa hatten es da natürlich ziemlich einfach: Für jedes Tor Deutschlands wurde ausgiebig gejubelt und mit (natürlich) Wein angestoßen. Ziemlich schnell wurden wir so unter den restlichen Freiwilligen und Tschechen unbeliebt, so dass wir nach dem Spiel direkt geflüchtet sind.

Den nächsten Tag hatten wir eigentlich für Sight-Seeing verplant, aber nach den drei Flachen Wein und ich weiß nicht, was sonst noch so, wurde es ziemlich hart für uns. Gegen Mittag waren wir ziemlich unglücklich auf den Beinen und haben uns den vielen Sehenswürdigkeiten Prags gestellt. Abends sind wir dann zurück nach Plzen und der Montag war dann eher erholsam mit lange ausschlafen, frühstücken, späterer Shoppingtour, ausspannen von dem vergangenen Partywochenende und sich bereit machen für unsere Abschlussparty am Dienstagabend. Die haben wir in Brázda gefeiert (unser Wohnzimmer und für Marisa und Ulli, die sich immer beschwert haben, und alle anderen: es gibt KEINEN Artikel! Brázda kann nicht die, der oder das sein. Deshalb heißt es auch „wir gehen Brázda“. Ist so, also Klappe Marisa&Ulli!).  Der Abend dort war einfach nur lustig – mit viel Fotbálek, Bier, Wein und andere Köstlichkeiten und dazu eine Menge amüsanter Tschechen oder Giovanni-Italienern. An diesem Abend kamen wir kaum aus dem Lachen raus – es war sogar höchst amüsant, dass Jana ihr Bier in den Kicker gekippt hat und danach das Klo geküsst hat. Über den nächsten Morgen schreib ich jetzt lieber nicht so viel. Ich war einfach nur froh, dass ich, nachdem ich Ulli und Marisa in den Bus Richtung Flughafen gesetzt hatte, wieder in mein Bett fallen konnte – natürlich mit dem festen Vorsatz nie wieder Alkohol anzufassen.

Dass ich kurz darauf in meinen Bodensee-Österreich-Snowboardurlaub und anschließendem Heimaturlaub verschwunden bin, fand ich nicht weiter tragisch. Ich finde, Brázda hatte eine Pause verdient – nach unserer kleinen Abrissparty...

Die ersten zwei Wochen des Aprils war ich ausschließlich in Deutschland und Österreich. Erst am Bodensee -  mein Opa wurde 80 und nebenbei waren wir  noch in Österreich zum Snowboard fahren. Danach war ich noch eine knappe Woche in Dortmund und habe dort endlich mal wieder die Vorzüge des eigenen Zimmers, der Badewanne oder des Fernsehers genutzt. Außerdem wurde ich 20 (viel zu alt!) und habe ein Bewerbungsgespräch für ein Praktikum hinter mich gebracht. Mein Geburtstag war ganz wundervoll. Alle, wirklich alle waren da (nur Evi war im Urlaub..) und wir haben einen gechillten Tag im Westpark verbracht, mit grandiosem Wetter, Grillen, Sekt und Bier.

 Direkt nach dieser kleinen Tschechienauszeit ging es turbulent weiter, denn Dortmund ist praktisch mit mir nach Plzen zurückgekommen: Nina hat mir meinen tschechischen Alltag mit ihrer Anwesenheit versüßt und wir hatten ein paar wundervolle Tage mit vielen grandiosen Momenten. Wir haben z.B. endlich mal die Chance genutzt mitten in der Nacht einkaufen zu gehen: Jana, Nina und ich im 24Stunden Tesco. Eine Geschichte für sich, die ich bestimmt nicht so schnell vergessen werde. Fünf Tage hat Nina meinen tschechischen Alltag auf den Kopf gestellt und als sie sich am Dienstag wieder auf den Weg nach Dortmund begeben hat, war es hier schon ein wenig ruhig. Die Ruhe habe ich dann aber gut genutzt, um mich auf meine große Reise mit Leni vorzubereiten.

Mai: Weg go East
Zwei Wochen voller Abenteuer in Bratislava, Budapest, Siofok, Zagreb und Ljubljana

Lene und ich hatten schon immer vorgehabt, ein wenig durch die Gegend zu reisen und Tschechiens Nachbarländer etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Das aber aus unseren Reiseplänen, eine so große Reise wurde, war uns am Anfang nicht klar. Aber nach ein bisschen hin- und herplanen, hatten wir eine Reiseroute erstellt: In zwei Wochen hatten wir uns fünf Ziele gesetzt.

Unser erstes Etappenziel war Bratislava. Untergekommen sind wir bei ein paar Hospitalitymitgliedern: Branko und Janko waren unglaublich süß -  haben uns mit Kaffee, Portwein und veganischem Essen verwöhnt und uns das Gefühl gegeben, dort zuhause zu sein. Wir hatten viel zu lachen, besonders mit Janko, dessen entzückender Stuttgarter Dialekt - besonders sein Lieblingswort „schon“ - uns sehr amüsiert hat. Ihre Wohnung war ein Traum von einer Altbauwohnung und am liebsten hätten wir dort unsere komplette Zeit verbracht, gechillt und Kaffee getrunken. Ging aber nicht, denn wir hatten ja noch viel vor. Als nächstes Ziel stand schon Budapest auf dem Plan. Dort haben wir ganze sechs Tage verbracht. Gelebt haben wir bei zwei Freiwilligen: Eefje aus Belgien und Pascal aus Frankreich. Die beiden waren sehr entzückend und hatten die Wohnung bereits voller Besucher, als wir dort ankamen. Französische Freiwillige, die derzeit in Schweden ihr EVS machen, waren zu Besuch, ebenso zwei Tschechen und zwei Ungarinnen. Es war wundervoll: Einfach mal wieder eine dieser typischen EVS-Culture Partys. Da fährt man nach Budapest und trifft Freiwillige, die derzeit in Schweden sind. Diese haben auf ihren Pre-Departure Seminaren Freiwillige kennengelernt, die grade in Tschechien sind und die wir wiederum kennen. Die Welt der Freiwilligen ist echt klein und ich bin immer wieder sehr fasziniert, von dieser Kulturen-, Sprachen- und Persönlichkeitenvielfalt. Wäre ich nicht nach Tschechien gegangen, hätte ich nie so unglaublich viele Leute aus verschiedenen Ländern kennengelernt. Es ist echt so großartig, zu wissen, dass man überall, egal ob jetzt in Tschechien, Schweden, Frankreich, Spanien oder der Ukraine, jemanden kennt und besuchen kann.

Aber zurück zu Budapest. Ich kann nur sagen, Budapest ist meine neue Lieblingsstadt! So etwas wundervolles und wunderschönes habe ich selten gesehen! Aber nicht nur die Stadt hat mich fasziniert, auch die Menschen haben mich in ihren Bann gezogen: Ungarn sind unglaublich – so was von fantastische Menschen! Nach zwei sehr amüsanten Abenden mit Ungarn (Freunde von Freundin von Lene) war für mich klar: Der nächste .Freund muss Ungar sein! Ich fühle mich auf jeden Fall sehr hingezogen zu dieser Stadt und möchte unbedingt noch einmal dorthin. In einer leicht angetrunkenen Nacht, haben Lene und ich uns auch versprochen, nächstes Jahr zum Sziget zurückzukehren. Nur über Geld und so denke ich dann ein anderes mal nach…

Nach Budapest ging es für Lene und mich weiter zum Balaton. Eine Nacht haben wir dort verbracht. Es war soweit in Ordnung – immerhin können wir jetzt behaupten, einmal am Balaton gewesen zu sein – aber an sich war es doch eher langweilig und unspektakulär. Das Problem war einfach, dass die Saison noch nicht begonnen hatte. Länger als diese eine Nacht hätten wir es dort kaum ausgehalten und deshalb konnten wir es kaum erwarten nach Zagreb zu reisen.

Dort hat uns Mia, auch Hospitalityclubmitglied, bereits erwartet. Die Zeit mit ihr war großartig! Mia, ein sehr positiver und offener Mensch, hat uns ihr ganz persönliches Zagreb gezeigt (Wir sind in einer Kneipe jetzt die „international friends" und das, obwohl sie eigentlich für eine wichtige Prüfung lernen musste. Ich hoffe echt, dass ich nächsten Sommer sehr reich sein werde und zum Sziget fahren kann, denn dann werden wir dort ganz bestimmt auch Mia wieder sehen und das wäre echt wundervoll. Mia hatte außerdem noch ganz süße Freundinnen und die Zeit verging mal wieder viel zu schnell und ehe wir es bemerkten, saßen wir wieder im Zug. Diesmal mit unserem letzten Ziel vor Augen: Ljubljana.

Ljubljana war die einzige Stadt unserer Reise, die ich bereits kannte. War aber nicht weiter schlimm, denn Ljubljana ist wirklich sehr besuchenswert und da macht es gar nichts, wenn man diese Stadt bereits kennt. In Lubljana wurde von uns hauptsächlich entspannt und der Tag in Cafés mit Kaffee und Essen en masse verbracht. Unser Gastgeber, auch von Hospitalityclub, war nämlich nicht ganz so entzückend. Er war zwar nett, aber irgendwie verdammt anstrengend.  Am Sonntag ging es dann zurück. Einmal durch komplett Österreich zurück nach Plzen, zurück zur Arbeit und ein bisschen Normalität – 14 Stunden im Zug und Österreichische Kurrentner habe ich dabei hassen gelernt.

Im Prinzip ist diese Reise kaum so kurz zusammen zufassen – dafür haben Leni und ich zu viele wundervoll Sachen erlebt und gesehen. Jedem, der auch einmal diese wundervollen Städte und Länder erleben möchte, kann ich unsere Route nur empfehlen. Funktioniert perfekt und ist sogar relativ freundlich fürs Portemonnaie.

Die letzten sechs Wochen: Festivals, letzte Partys, noch mehr Besuch und Plzen-Untreue
…Es ist bereits schon wieder unglaublich spät und eigentlich müsst ich langsam in mein Bett kriechen. Morgen muss ich schließlich früh aufstehen und arbeiten gehen. Dennoch ich möchte bzw. ich MUSS diesen Bericht jetzt vollenden. Es fehlt aber noch so unglaublich viel! Aber hey...ich bin schon auf Seite sechs und wer hat schon Lust so viel auf einmal zu lesen?! (bzw. zu schreiben?!...) Also jetzt alles ein wenig verkürzter. Natürlich war es mit dem Besucherstrom noch nicht vorbei: Mein Vater und meine Nachbarn und Anna standen noch aus. Ziemlich kurz hintereinander kamen sie vorbei und wir hatten fantastische Stunden gemeinsam.

Nach dem vielen Unterwegs-Sein oder Besucher im Haus haben, brauchte ich aber erstmal meine Auszeit. Ein Wochenende habe ich alleine in Plzen verbracht, nur mit einem sonntäglichen Pragbesuch, um dort Lisa und Özden zu treffen (machen derzeit in Wien EVS). War auch wundervoll, aber danach habe ich erstmal einen Rappel bekommen: Monatelang hatte ich immer Action um mich rum, Besuch aus aller Welt oder selber zu Besuch in aller Welt und nun auf einmal musste ich mich selber in Plzen bespaßen. Ein Wochenende ging das relativ gut, aber danach musste ich wieder weg. Deshalb bin ich zu einem Wochenende nach Usti nad Labem gefahren, wo ich mit vielen anderen Freiwilligen in einem Club für Romakinder ausgeholfen habe. Wir haben mit den Kindern verschiedene Workshops gemacht – Gipsmasken, Trommeln bauen, Portemonnaies basteln etc. War echt ein super Wochenende und ich glaube, die Kinder werden sich noch lange Zeit an die vielen Freiwilligen und die tolle Zeit, die wir gemeinsam hatten, erinnern.

Das Ustiwochenende war vor drei Wochen. Danach kam noch einmal Leni nach Plzen und wir haben hier gechillt, sind auf ein Konzert der tollsten Trommelgruppe auf Erden gegangen und waren am Plzener See.

Das Wochenende vor zwei Wochen war ich dann in Prag. Abschlusspartywochenende mit Reggae Joggling Festival und anschließender CrossClubParty. Mit dabei natürlich wieder Leni und ihre entzückende Mitbewohnerin Roxane. Es war einfach fantastisch! Ich hab so unendlich viele Leute getroffen, die ich seit dem Mid-term Seminar nicht mehr gesehen habe. Da war z.B. Melanie aus Frankreich oder Jenny aus Schweden, die Besuch von ihrer Freundin Carolin hatte oder Bojan, den ich auch nur einmal kurz in Prag für zwei Stunden gesehen hatte. Es war wundervoll und ich freue mich sehr, dass sich so unendlich viele Freiwillige dazu entschieden haben, in Tschechien bleiben zu wollen. Dadurch habe ich garantiert immer einen Schlafplatz in Prag sicher und kann noch oft zurückkehren und die tschechische Kultur genießen. Aber nicht nur Prager Freiwillige können sich nicht trennen, auch Plzen hat so seinen Bann. Während eine unserer Vorfreiwilligen fast jedes Wochenende in Plzen verbringt, werden Lukas und Beata  ganz hier bleiben. Nur Jana und ich sind untreue Seelen und werden nach Deutschland zurückkehren. Aber es ist vermutlich einfach etwas anderes – die beiden können fließend Tschechisch und sind dazu noch in Tschechen verliebt. Aber ich freu mich, erstmal für die beiden und dazu hab ich noch zwei Menschen mehr, für die es sich lohnt dann und wann nach Plzen zurückzukehren.

Jetzt habe ich aber noch gar nicht vom letzten Wochenende berichtet: Wir sind nämlich zum RealBeat Festival gefahren und es war sehr famos und ich bin noch immer schwer begeistert! Tschechiens angeblich größtes und bekanntestes Reggae und Dancehall Festival (gegen Summerjam natürlich ein Klacks...) und wir mittendrin. Von Freitag bis Sonntag haben Lene, Jenny, Jana und ich dort gecampt und die Nächte durchgetanzt. Das einzige nicht ganz so wunderbare war das Wetter. Freitag und Samstag hat es zwischendrin immer wieder geregnet, aber an sich war das Ganze nicht weiter schlimm. Für mich war es auf jeden Fall ein ganz wundervolles Abschlusswochenende.  Denn das kommende geht es ja schon  zurück. Am Donnerstag kommt schon Birgit mit ihrer Freundin und Sonntag, nachdem ich hier alles eingepackt und aufgeräumt habe, fahren wir in Richtung Dortmund.

Für mich ist es schon komisch -  zehn Monate in Tschechisch und jetzt auf einmal ist es vorbei. Ständig werde ich gefragt: „Bist du traurig?“ „Freust du dich auf Zuhause?“ „Wirst du wiederkommen?“ Klar, werde ich wiederkommen! Das ganz bestimmt und klar bin ich auch traurig. Aber ich denke, es ist so wie immer: Noch ist mir gar nicht klar, dass ich zurückgehen werde und etwas Neues anfängt. Das werde ich vermutlich erst mit der Zeit realisieren. Aber natürlich freue ich mich auf Zuhause. Die Vorfreude überwiegt derzeit um einiges. Mir reicht es irgendwie inzwischen, halbe Konversationen zu führen. Ich möchte mich mal wieder RICHTIG verständigen können. Ich möchte endlich wieder die Möglichkeit haben, alle Welt um mich rum zu verstehen und zu allem meine Meinung sagen zu können. Klar kann ich inzwischen ein bisschen Tschechisch, und klar, kann ich meine Meinung sagen und die Menschen um mich rum auch verstehen. Aber trotzdem ist es nicht genug. Viel zu oft kann ich nicht genau das ausdrücken, was ich eigentlich sagen möchte und oft verstehe ich auch nur die Hälfte dessen, was man mir eigentlich sagen will. Natürlich bin ich unendlich froh, inzwischen an diesem Punkt angekommen zu sein, denn ich erinnere mich nur zu gut daran, dass ich am Anfang wirklich gar nichts verstanden habe und auch nichts sagen konnte. Im Prinzip bräuchte ich noch mal zehn Monate in diesem Land und ich glaube, danach wäre ich perfekt. Allerdings habe ich ja schon andere Pläne für diesen Sommer und meine Zukunft und davon mal wieder viel zu viele – Summerjam, Praktikum, Amsterdam, Afrika Karibik Festival und dann hoffentlich ab Oktober Studium. Wo und was?! Herrje, fragt mich was besseres! Steht noch aus, aber ich hoffe, dass es mit Medienwissenschaften klappt. Also drückt mir die Daumen!

Die Zeit hier war auf jeden Fall sehr fantastisch und ich würde mich immer wieder auf so ein Abenteuer einlassen. Dafür habe ich viel zu viel erlebt und gelernt und jetzt ein paar wundervolle neue Freunde und Freundinnen aus ganz Europa, als dass ich mich nicht noch mal in die „tschechische Einöde“ stürzen würde (Zitat von Person bzw. Personen, die über meine Entscheidung sehr geschockt waren). Außerdem wenn man erstmal nicht mehr die Sicherheit seines Zuhauses hat, beginnt man wirklich zu schätzen, was man eigentlich daran hat.. Naja und bevor ich jetzt noch weiter blödsinnige Weisheiten von mir gebe und gleich schon auf Seite Acht bin, beende ich jetzt diesen Bericht. Das wars – jetzt stürze ich mich ins nächste Abenteuer und werde mal sehen, was ein Praktikum beim Radio alles so zu bieten hat.

(verzeiht mir, dass ich EWIGKEITEN nichts geschrieben habe und euch jetzt mit einem so langen bericht erschlage!)

28.6.07 14:39


 Startseite








Gratis bloggen bei
myblog.de