Nora 10 Monate in Tschechien
Morgen - 10 Uhr

Jetzt wirds doch tatsächlich ernst. Morgen früh um zehn Uhr gehts los.

 Meine Sachen sind zum größten Teil gepackt und ich bin geschockt, wie viel Kram ich mitnehme. Irgendwo muss ich das ganze Zeug ja unterbringen. Glücklicherweise ist mein neues Zimmer größer als mein jetziges - von daher muss das irgendwie passen.

Gestern war auch schon meine Abschiedsparty. War super schön, wenn auch sehr traurig. Aber so ist das wohl, wenn man sich für einige Zeit verabschiedet. Toll war es, dass einige Leute extra aus der Ferne angereist sind, so z.B. Chrissi und Julia aus Frankfurt und Klara aus Köln. Danke nochmal für die tollen Abschiedsgeschenke.

Jetzt allerdings muss ich noch mit dem absolut schlimmsten Katerkopf die letzten Sachen zusammenpacken und fahre dann noch ein letztes Mal zu meinem Freund. Maunz.

2.9.06 19:40


Die ersten zwanzig Stunden

Die ersten 20 Stunden des Abenteuers Tschechien liegen hinter mir und bisher geht es mir sehr gut. Ich bin gestern heile mit Birgit und Fritz angekommen und habe direkt in Janas und meinem Zimmer Chaos verbreitet. Saemtliches Zeugs von mir lag auf dem Boden rum und ich bin schier verzweifelt. Erstmal: Wohin mit dem ganzen Kram und wie bekomme ich Ordnung darein? Ich habe mindestens doppelt so viele Sachen wie Jana angeschleppt und hatte gestern echt Probleme das alles unterzubringen. Eine (von nur zwei) Schubladen ist nur mit Hosen gefuellt. Dabei hab ich doch gar nicht soo viele Klamotten, oder?! Muss an der Groesse der Schubladen liegen. Mitten in das von mir verursachte Chaos ist dann Stepanka geplatzt. Stepanka ist unsere Mentorin und in allererster Linie fuer uns und unsere Probleme verantwortlich. Wir haben uns dann mit Stepanka in unsere kleine, aber feine Kueche gezwaengt und erstmal den von ihr mitgebrachten Wein geleert. Obwohl ich ja eigentlich kein Weinmensch bin, fand ich diesen Wein ganz fabelhaft. Es war sehr lustig mit Stepanka, sie ist echt superlieb, aber ich glaube, es lag auch am Wein, dass ich so Spass hatte.

Gegen zwoelf bin ich dann in mein neues Bett gefallen. Irgendwie war ich dann doch k.o. - zu viele Eindruecke und Erlebnisse und Gefuehle fuer einen Tag. Die Nacht habe ich ganz gut geschlafen, wenn auch sehr wirr getraeumt. Heisst es nicht, dass die Traeume, die man in der ersten Nacht im neuen Bett hat, wahr werden? Ich kann mich eigentlich nicht erinnern - ich weiss nur noch, dass es sehr sehr wirsch wahr. Hoffe also, dass das bloss so ein bloedes Sprchwort ist. Heute morgen musste ich dann schon um halb acht aufstehen. Ich glaube daran muss ich mich jetzt erstmal wieder gwoehnen - um dann um neun Frau Kapounová, unsere Chefin, kennenzulernen. Frau Kapounová hat uns dann die erste Tschechischstunde erteit und ich kann jetzt auch schon kleine Dialoge á la "Wie heisst du?" "Ich heisse Nora" etc fuehren. Einiges ist aber auch sehr verwirrend - so heisst Tisch z.B. "stůl". Die naechsten zwei Wochen gehts so weiter. Ich habe jetzt jeden Tag zwei Stunden Unterricht bei Frau Kapounová und danach werde ich eine Sprachschule besuchen. Mal sehen, wie das mit mir und dem Tschechisch so wird...

Ansonsten sitze ich jetzt grade im "Familienzentrum" von meiner Organisation Totem und warte auf Pavlinka, unsere Koordinatorin. Pavlinka wird dann diverse Sachen mit uns klaeren, so z.B. unsere Arbeitsbereiche usw..

Ich danke euch fuers Verabschieden gestern, die vielen lieben SMS und Wuensche und die fantastischen Abschiedsgeschenke. Ihr felht mir jetzt schon. Hoffentlich sehen wir uns ganz bald wieder. Wenn was ist oder ihr nur mal so mit mir quatschen wollt, ruft mich an. Mein Handy funktioniert sogar. Ich selber habe leider noch kein Guthaben - kann also von daher momentan weder anrufen noch SMS schicken. Denke aber, dass ich des oefteren die Moeglichkeit haben werde das Internet hier zu nutzen.

Jetzt muss ich aber weiter - keine Ahnung wohin. Ich versteh hier nix bzw. kaum was. Das wird wohl noch lustig werden..

 

Na shledanou - Auf Wiedersehen 

4.9.06 12:25


Solang die Sonne scheint, ist alles gut

Ahoj, 

Heute ist schon Tag Nr.5 in Česka Republika. Ich sitze mal wieder im "Freiwilligen Zentrum" von TOTEM und habe momentan nicht all zuviel zu tun. Grade hatte ich zwei Stunden Tschechischunterricht, wie jeden morgen und ich kann nun mit Stolz verkuenden: Ich verstehe schon kleine - natuerlich total primitiv einfache - Texte. Ich bin ganz schoen stolz auf mich. Der vierte Tag Tschechischunterricht und langsam beginne ich es zu verstehen. Ich versteh sogar im Radio die Uhrzeit. Klar, das ist jetzt nicht soo das Ding, aber hey, fuer mich hoert sich das eigentlich alles gleich an. Mein tschechisches Lieblingswort ist "kniha". "Kniha" heißt Buch und wird ausgesprochen wie ein asiatischer Kampfschrei, also praktisch "kinjiiiha!"Sehr amuesant das Ganze. Dafuer mag ich das tschechische Wort fuer Schrank rein gar nicht, das heißt naemlich "skřín" und ist ueberhaupt nicht aussprechbar. Es gibt hier auch sehr belustigende Zungenbrecher. Wer kann denn bitte schon: "Strč prst skrz krk" aussprechen?! Uebersetzt heißt das irgendwas wie "Steck dir den Finger in den Hals" oder so?! Bin mir da nicht so sicher. Ich uebe mich auch in Koerpersprache. Ich sags euch, diese Faehigkeit perfektioniere ich hier grade. Ich bin ab demnaechst Expertin fuer Spiele wie Activitiy. Sehr aufregend war es mit einem Rentner zu kommunizieren, der rein gar kein Deutsch bzw. Englisch konnte und mir erklaeren wollte, dass ich die Seiten 1 - 42 fuer ihn ausdrucken sollte. Nun weiß ich auch, dass "tisk" drucken heißt. Dennoch bin ich sehr froh, so gut Englich sprechen zu koennen. Man ist definitiv im Vorteil, denn irgendwo findet man immer jemanden der Englisch sprechen kann.

Neben dem Tschechischlernen sind wir hier viel unterwegs. Mit unserer Koordinatorin Pavlina besuchen wir diverse Projekte, um uns dann zu ueberlegen, ob wir dort arbeiten wollen. Der Jugendclub "Sledovice" (oder so?!) gefiel mir sehr gut bisher. Gestern wollten wir außerdem zu so einem Zentrum, in dem therapeutisches Reiten angeboten wird. Leider sind wir nie angekommen, weil der Bus irgendwo in der Pampa, in irgendeinem Dorf gehalten hat und dann nicht mehr weiterfuhr. Tja...So habe ich wenigstens mal ein bisschen tschechische Landschaft gesehen. Tschechischen ist eigentlch ganz schoen - ok, zumindest der Teil, den ich schon gesehen habe. Besonders die Pilsener Innenstadt ist toll - ganz viele alte Haeuser und einige Gruenanlagen. Der Stadtteil, in dem ich lebe "Doubravka" ist nicht ganz so schoen. Ziemlich viele Hochhaeuser und nur so Plattenbauten. Alles ein bisschen gammlig irgendwie, aber dennoch: Ich hab mich schon dran gewoehnt und finds eigentlich ganz schoen. Das Wetter ist ja auch super und ihr wisst ja, solang die Sonne scheint, ist alles gut. Ich freu mich voll, ich kann hier im Rock rumlaufen und trag die ganze Zeit meine Sonnenbrille. Vielleicht werd ich ja noch mal ein bisschen braun?!

Plzen hat ansonsten auch ein paar Dinge zu bieten. Heute z.B. ist ein Reggae Konzert im "Zachs Pub" (ich weiß aber noch nicht, ob ich dahin gehe..) und naechste Woche ist hier ein Straßentheaterfestival - die ganze Woche lang. Ich freu mich schon voll.

Vom 18. - 23. September habe ich dann einen sogenannten "On-arrival training course". Dieser Kurs ist fuer saemtliche Freiwillige, die ihr EVS in Tschechien abhalten und wird irgendwo in der Pampa durchgefuehrt. Ich bin gespannt. Vielleicht lernt man ja ein paar andere nette Freiwillige aus anderen Staedten und Regionen kennen.

Tjaaa - mehr gibts eigentlich grade mal nicht zu erzaehlen. Ich wollte euch nochmal daran erinnern, dass man mich auch gerne mal anrufen kann. Mit Billigvorwahlnummer ists eigentlich nicht so teuer. (Klara, ich versteh auch nicht, wieso das nicht geklappt hat...Versuchs einfach nochmal) Ich vermiss hier voll meinen "Dortmunder-herbe-uschi-maunz-fabelhaft-Slang", in den verfalle ich hier naemlich besonders gern, wenn ich betrunken bin. So z.B. gestern: Jana und ich haben 1 1/2 Flaschen Sekt platt gemacht und danach war nur noch alles "herbe". Achjaa... Komischerweise hab ich hier in Plzen noch kein Bier getrunken. Seltsam, oder?! Werd ich aber bestimmt noch nachholen.

Ich bin jetzt erstmal wieder weg. Muss jetzt mit Jana und den slowakischen Freiwilligen in die Stadt, um dort Promotion fuer Totem zu machen.

Čau

7.9.06 11:21


Švihadlo und Pivo

Čau,

es ist vollbracht. Ich habe doch tatsaechlich gestern mein erstes tschechisches Bier getrunken. War sehr fein. Nach zwei mal 0,5 l ging es mir dann auch ganz gut. Hier gibts naemlich nur Bier in Halbliterform. Aber wieso auch nicht?! Ein halber Liter Bier kostet auch nur so ca. 70cent. Die Preise hier sind echt fantastisch - das muss ich wohl ausnutzen. Wir haben unser erstes Bier im "Zachs Pub" konsumiert, dass ist der, ich sag mal "club", indem das Reggaekonzert stattgefunden hat. Ich habe gestern doch tatsaechlich Jana ueberzeugt, mit mir auf dieses Reggaekonzert zu gehen. Švihadlo hieß die Band und hat groeßtenteils auf tschechisch gesungen. War echt superinteressant und auf jeden Fall mal was anderes. Dieser Club war auch super - kann man bestimmt oefter mal hingehen.

Ansonsten gibts nicht viel zu berichten und deswegen werd ich jetzt mal wieder rausgehen und das fantastische Sonnenwetter genießen. 

8.9.06 12:20


Muede...

Ich bin total k.o. - heute musste ich um 6.30 Uhr aufstehen und das habe ich mal gar nicht verkraftet. Viel zu frueh fuer mich und nach dem Bier und dem Wein und dem nicht ganz so fruehen Ins-Bett-Gehen gestern, die absolute Qual. Habe mich nach ewiglangem vor-dem-Aufstehen-druecken, doch noch mit Jana in die Kaelte begeben. Heute wars echt soo kalt. Ich hab mich wirklich gefragt, ab wann ich anfangen muss, Strumpfhosen zu tragen (ich frier doch immer so schnell...). Wir sind dann erstmal bibbernd in die Stadt, um dann mit Zuzka und Janka (den Slowakinnen) und Pavlina (Koordinatorin) zu "Nedeje" (heißt, soweit ich weiß, "Hoffnung" zu fahren. Nedeje ist eine Art Kindergarten. Dort wars ganz nett - lange waren wir jedoch nicht da und Jana wird ab sofort jeden Montag dort arbeiten. Danach gings dann wieder nach Hause, zu einem etwas ausgiebigerem Fruehstueck und Tee zum Aufwaermen, um dann puenktlich um 11 Uhr mit dem Tschechischunterricht zu beginnen. Tschechisch ist echt so eine wirsche Sprache... Die haben die seltsamsten Regeln - aber vielleicht steige ich da ja auch irgendwann mal durch (hoffentlich). In der Zwischenzeit ist es dann echt noch heiß geworden und ich waer am liebsten wieder in Top und Rock und FlipFlops rumgelaufen. Das Wetter verwirrt mich ernsthaft. Morgens fuerchterlich kalt und dann ganz ploetzlich wieder das absolute Sommerwetter. Maunz. Das find ich nicht gut - ich weiß gar nicht, was ich anziehen soll und kann.

Jetzt sitzt ich hier grade noch im Internetcafe. Diese Woche siehts mit dem Internetzugang eher mau aus. Musste hier noch ein paar wichtige Dinge regeln, aber jetzt werd ich gleich mal nach Hause fahren. Bin echt schwer muede und kann kaum noch einen Satz formulieren.

Noch zu meinem ersten Wochenende hier in Plzen. Es war eigentlich ganz nett. Sehr ruhig irgendwie. Freitag waren wir bei erst mit Pavlina unterwegs - in der Skybar. Das ist voll super da. Erstens hat mein einen traumhaftschoenen Blick ueber Plzen und zweitens sind die Cocktails sehr billig (habe mich aber an Kaffee aufgehalten - war noch sehr frueh...). Danach sind wir noch zu unserer Chefin mit den drei Slowakinnen, sowie Adrien, einem ehemaligen Freiwilligen aus Frankreich. Daraufhin war ich dann den ganzen Samstag mit Adrien und den Slowakinnen unterwegs. Nur Abends habe ich alleine Zuhause gechillt und dort meine strumfreie Zeit genossen. Jana war ja von Samstag auf Sonntag bei ihrem Freund. So alleine wars sehr nett und vorallem brauchte ich das auch mal wieder - Zeit fuer mich, um ueber das Ganze hier nachzudenken. Es war definitiv auch sehr lustig - Ich hab z.B. um 22 Uhr angefangen indisch zu kochen und dabei ein wenig Wein getrunken (jaaa - meine neue Leidenschaft...). Nebenbei hab ich ganz viel Reggae, Dancehall und HipHop gehoert und mich gefreut, mal kurze Zeit keine Ruecksicht nehmen zu muessen. War echt super nett - hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß nur mit mir allein. Sonntag war dann eher oede. War nur noch mit Jana und Stepanka Eis essen - war aber sehr entspannt und mit der Sonne dazu auch sehr schoen.

Ja und heute...war halt viel los...frueh aufstehen...Nedeje....Tschechischunterricht...jetzt noch therapeutisches Reiten... einfach fuer heute zu viel. Dazu die neue Sprache und millionen Eindruecke. Werd deshalb auch jetzt mal den Bus aufsuchen und mich in Richtung Bett bewegen.

Vielen Dank fuer euren vielen lieben Gaestebucheintraege. Kann gar nicht auf alles antworten. Freut mich, dass sich sogar weitgereiste Andys oder meine ganze Familie hier her traut. Und vielen vielen Dank Nina fuer die liebe Post - heute kam deine Karte an und hey, es war meine erste Tschechienpost. Ich konnts kaum glauben, als ich in meinen Briefkasten geschaut habe.

Na Shledanou

Nora*

11.9.06 19:12


Katerstimmung und Frisbeespiele

Čau ihr Lieben,

ich bin schon wieder im Internetcafé - bei TOTEM bekomme ich momentan einfach keine Chance, das Internet zu nutzen. Deshalb hier. Wollte euch mal ein paar Bilder aus meinem Leben hier in Plzen praesentieren. Leider habe ich nicht viele Bilder (mangels Digitalkamera) und muss so auf die paar von Pavlina zurueckgreifen.


Da muesstet ihr nun Uvina und mich sehen. Das Foto ist bei diesem Zentrum fuer therapeutisches Reiten entstanden. Ich fand die Arbeit dort aber eher gaehnendlangweilig - die haette fuer mich darin bestanden, Kinder auf Pferden im Kreis zu fuehren. Das kann ich bei Lust und Laune auch in Dortmund mache. Hab mich also dagegen entschieden.


Das zweite Bild zeigt (von links nach rechts) mich, Jana, Janka, Zuzka und dann Katka.
Katka und Zuzka sind die beiden anderen Freiwilligen aus der Slowakei und Janka ist Zuzkas Assistentin. Auf Jankas Assistenz ist Zuzka dringend angewiesen, denn sie muss, um verschiedene Arbeitsplaetze zu erreichen, viel mit den oeffentlichen Nahverkehrsmitteln reisen und alleine mit diesem Fahrrad und ihrer Gehbehinderung ist das nahezu unmoeglich. Die Slowakinnen sind alle eigentlich sehr nett - bloß die Kommunikation ist kompliziert, da sie weder richtig Deutsch noch Englisch sprechen. Die drei gehoeren alledrings nur dem sogenannten EVS Short-term Programm (geht max. sechs Monate) an, d.h. Zuzka wird bereits im November zurueck in die Slowakei gehen und Katka dann im Januar.

Die letzten zwei Tage bei mir waren sehr lustig. Jana und ich haben einen weiteren deutschen Freiwilligen kennengelernt. Lukas aus Berlin. Lukas ist auf jeden Fall sehr nett und dazu uns einen entscheidenen Schritt voraus - er kann naemlich Tschechisch. Hat aber auch fuer uns Vorteile (dazu gleich..). Wir sind mit ihm am Dienstag auf die absolute Kneipentour gegangen. Haben drei Mal den Ort gewechselt und unmengen Alkohol konsumiert - dementsprechend ging es mir dann auch am Mittwoch. Wir haben in so einer kellerartigen Katakomben - Kneipe (so nenn ich es mal) begonnen mit Bier, dann ging es weiter in ein Restaurant, Pizza essen und dazu Wein. Danach sind wir in eine Cocktailbar und haben dort die billigen Preise ausgenutzt und zu guter letzt sind wir in eine komische, schnieke Bar und haben auf das ganze Alkoholgemischmasch in uns noch ein paar Bier gekippt. Dienstag Nacht dachte ich noch, dass das gar nicht so viel Akohol war bzw. gar nicht so schaedlich - schließlich haben wir dazwischen noch etwas gegessen, aber als ich dann Mittwoch morgen um 6 Uhr (!!) aufstehen musste, dachte ich, ich sterbe. Den ganzen Tag ging es mir ganz fuerchterlich. Dazu kam dann leider, dass wir das absolute Programm hatten. Morgens Projektbesichtung, Mittags dann so eine Konferenz der "World Peace Federation" und Abends Frisbee spielen im Park. Ich weiß echt nicht, wie ich das mit DEM Kopf ausgehalten habe. Jana meinte schon, dass sie sich echt Sorgen gemacht haette - Aber die meisten von euch wissen ja, wie es mir so geht, wenn ich einen Kater habe... Irgendwie ging aber alles und Abends war ich dann sogar schon wieder fit, um im Park Frisbee spielen zu koennen. Lukas hat naemlich, dank seiner hervorrangenden Tschechischkuenste, schon einige Leute kennengelernt - u.a. eine riesige Gruppe, die sich jeden Mittwoch Abend um 19 Uhr trifft, um gegeneinander Frisbee zu spielen. Das war super lustig. Leider habe ich ganz schoen abgeloost. War ja schließlich auch das erste Mal, dass ich sowas gespielt habe. Dennoch wurde mir die Frisbee eher immer so aus Mitleid zugepasst. Jana hat sich - im Gegensatz zu mir - schon ganz schoen Respekt verschaffen koennen. Die hat naemlich sogar ein Tor gemacht. Mir aber egal. Ich werd da nach Moeglichkeit jeden Mittwoch hingehen und die Leute mit meinem nicht vorhandenen Talent nerven. Vielleicht wirds ja was mit der Zeit?! Zudem lernt man Leute kennen - auch wenn wir uns eigentlich nicht unterhalten koennen. War aber auf jeden Fall eine lustige Sache. Bis naechstes Jahr hab ich das dann auch gelernt und werde diesen Sport dann in Dortmund einfuehren - hier scheint das so eine Art Volkssport zu sein...

Mit den Projekten geht es so langsam auch vorran. Inzwischen stehen schon einige Arbeitsbereiche von mir fest. Ich werde vermutlich in einem Kindergarten mit Kindern Toepfern, dann in einem Jugendclub arbeiten (vielleicht ja im Theaterworkshop - sonst irgendwas anderes), bei TOTEM mit Senioren Englische Konversationen fuehren und in einer Behindertenwerkstatt mit Geistigbehinderten irgendwelche kreative Betaetigungen. Diese Behindertenwerkstatt haben wir uns gestern angeschaut - ich war total begeistert. Die Leute die da so rum liefen, waren alle sehr amuesant. Nur so Oekoalternative mit lustigen Ansichten. Werde dort evtl. in der Weberei oder Kerzengießerei arbeiten. Mal sehen, was sich noch so ergibt.
Ich denke mal, dass ich in der neachsten Woche erstmal nichts mehr schreiben werde - bin naemlich vom 18. - 23.11 auf einem Trainingskurs.
Vielen Dank auch fuer eure viele Post. Ich habe seit Montag taeglich Post bekommen und bin total begeistert.

Muss jetzt aber los - Lukas, Jana und ich werden naemlich jetzt unsere Kueche auf den Kopf stellen und Wraps zaubern und dazu vielleicht ein wenig Wein trinken?!
Ihr fehlt mir alle sehr hier* Waere toll, dass alles auch mit euch zu erleben!

14.9.06 16:53


Multikulti und so....

Ahoj,
Jak se mate?
Ich befinde mich grade mit diversen anderen Nationalitaeten auf dem Vorbereitugsseminar in Sezimovo Usti. Sezimovo Usti ist mitunter der haesslichste und uninteressanteste Ort, den ich bisher in Tschechien gesehen habe – lauter fuerchterliche Plattenbauten und alles grau und scheusslich. Aber viel mehr als drei Kneipen (fuer einen tschechischen Ort ist das echt wenig – man muss wissen, dass sich das Leben fuer die Tschechen wirklich haupsaechlich in “hospodas”, also Kneipen, abspielt), ein paar Laeden, einem Internetcafe, einem Winzkino und einer Post gibt es hier auch nicht... Heute ist Tag Vier und netterweise hat mir meine tuerkische Zimmermitbewohnerin Esra ihren Laptop zur Verfuegung gestellt (sogar mit Musik...), so dass ich auch jetzt mal von meinen Seminarerfahrungen, die sehr international beeinflusst sind, berichten kann. Mit mir sind noch vier weitere Deutsche, zwei Oesterreicher, ein Mazedone, zwei Polen, vier Franzosen, eine Schwedin, eine Finnin, eine Ukrainin (heisst das so?), eine Tuerkin und vier Slowaken hier und dazu nochmal unsere tschechischen Trainer.  Also alles sehr multikulturell. Es ist wirklich interessant mit was fuer Sprachen wir hier kommunizieren. Als erstes natuerlich Englisch, dazu kommt dann aber noch Franzoesisch, mehr oder weniger viel Tschechisch, Polnisch, Slowakisch, Deutsch und interessanterweise sogar Zeichensprache – die allerdings von Land zu Land variiert. So kommt es dann z.B. vor, dass Emilie aus Frankreich, Katka aus der Slowakei und Jennifer aus Deutschland versuchen ueber Zeichensprache zu kommunzieren. Alles sehr interesant – wie eigentlich alle meine Erlebnisse hier. Ich sass noch nie in einem hospoda mit einem Polen, einem Mazedonen und einer Ukrainin und hab mich ueber die tschechischen Eigenheiten belacht. Wirklich interessant – man bekommt so die eine oder andere Sicht der Dinge, die einem vorher noch nie in den Sinn kam. Dazu lernt man noch eine Menge ueber andere Laender und Kulturen. Ich wusste z.B. nicht, dass in Polen jeglicher Schaum auf dem Bier verpoent ist oder (auch wenn ich selber Deutsche bin..) das Berliner ihrer Berliner (also das Gebaeck) Pfannkuchen nennen (wirsch, oder?). Definitiv sehr ‘horizonterweiternd’.

 

Die meisten der Freiwilligen, die natuerlich, wie immer bei EVS, haupsaechlich weiblich sind, leben in Prag. Ist wirklich so – mindestens die Haelfte von uns lebt in Prag. Aber ich persoenlich erinnere mich auch daran, dass ich am Anfang haupsaechlich in Prag nach Projekten gesucht habe, denn hey - Wer will schon NICHT nach Prag?! Das ist hier echt die Minderheit, die in anderen Staedten lebt. Aber inzwischen bin ich echt froh ueber Plzen – Plzen ist nicht zu klein, nicht zu gross, nicht weit weg von Prag, leicht erreichbar, Studentenstadt,... Hier gibt es aber auch echt so Mutige, die sich in Doerfer mit 450 Einwohnern trauen (da gibts dann nur einen Hospoda). Die kann ich nur bewundern. Fuer mich waer das ja nichts - ich brauch schon ein wenig Partyentertainment und dazu viele Moeglichkeiten, irgendwas mit mir und meinem Leben anzufangen. Vermutlich bin ich aber auch sehr Dortmund- bzw. hauptsaechlich auch Ruhrgebietverwoehnt. Mal eben so nach Essen, oder Bochum oder Duesseldorf  – alles kein Problem bei uns. Hier wird das schon schwieriger... Dafuer kommt man aber mit dem Bus fuer weniger als zwei Euro nach Prag und dort habe ich nun, dank des Seminars, auch zig Moeglichkeiten unterzukommen. Die werd ich mit Sicherheit auch des oefteren mal nutzen (Und wenn mich mal besucht, dann wirds bestimmt auch Schlafmoeglichkeiten geben..).

Ansonsten besteht dieses Seminar hauptsaechlich aus Essen - ich esse nur, den ganzen Tag..Da ich hier leider keine Waage besitze, werde ich erst merken, dass ich zugenomme habe, wenn meine Hosen nicht mehr passen. 

 

Jana ist bei uns Zuhause in Plzen geblieben – der Freund ist zu Besuch und sie wird zum naechsten Seminar fahren. Dafuer sind aber die Slowakinnen hier.
Alles in allem gefaellt mir das Seminar auf jeden Fall sehr gut. Unsere Trainer sind supernett und lustig und ihre Methodik erinnert mich oft an die Pfadfinder. Hab hier auch schon einige neue und sehr coole Spiele gelernt, u.a. den schwedischen “Frog Dance”.
Mehr gibts die Tage – Da wollte ich z.B. mal ueber die Tschechischen Eigenheiten berichten. Also Dinge, die mich erstaunt haben, ueber die ich schmunzeln musste oder die mich einfach als Tschechien - Neuling geschockt haben.

 

Ich wuensche euch allen einen “Hezky Den”, also Schoenen Tag
Nora
21.9.06 14:37


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