Nora 10 Monate in Tschechien
Final Countdown: Five days to go…

Es ist Dienstagabend und ich sitze mit Laptop auf dem Schoß und Nosliw auf den Ohren in meinem Bett und betrachte meinen letzten Blogeintrag. Ist es wirklich schon 4 ½ Monate her, dass ich das letzte Mal geschrieben habe?! Sind es wirklich nur noch fünf Tage und meine Zeit hier ist beendet?! Zehn Monate einfach so vorbei?! Unglaublich! Aber die Zeit verging viel zu schnell und ich muss zugeben, dass ich einfach auch zu faul (aber auch zu beschäftigt war), um aus meinem Plzener Leben zu berichten. Zudem je mehr Zeit verging, desto mehr verging mir die Lust, alles nachzutragen. Nun sind es aber wirklich nur noch ein paar wenige Tage bis ich nach Dortmund zurückkehre und so langsam fühle ich mich verpflichtet, mal wieder etwas zu schreiben. Wenigstens so eine Art „Abschlußbericht“.

Nun ist es wirklich schon Ende Juni und mir bleiben nur noch fünf Tage in meiner, mir doch inzwischen sehr lieb gewordenen, neuen Heimat Tschechien.

Die letzten vier Monate waren durchweg von Besuchen und eigenen Reisen geprägt. Ich glaube, ich hatte kaum „freie Wochenenden“, alleine in Plzen – denn halb Dortmund war zugegen, sowie diverse andere Freiwillige, Amerikanerinnen, etc. Die letzten vier Monate (wovon ich schon alleine einen Monat nicht in Tschechien war) waren wirklich sehr sehr traumhaft, mit unglaublich vielen Erlebnissen, die ich jetzt kaum alle nachtragen kann. Dafür ist einfach zu viel passiert: Ich war auf Festivals, bin mit Lene durch den Osten getourt, habe mit Ulli und Marisa Wein en masse getrunken, mit Nina Piratenpartys gefeiert, mit Honza ein wundervolles französisches HipHop Konzert erlebt, bin mit einer Horde Jugendlicher Snowboarden gewesen, und noch so viel mehr… Zu viel um wirklich alles ausführlich zu erzählen! Dennoch ich werde mein Glück versuchen und wenigstens ein bisschen was berichten. Wo fang ich also an?! Nunja, am besten genau dort wieder, wo ich aufgehört habe…

Februar und März: Besucher aus aller Welt. Eigene Reisen. Französischer HipHop und tschechische Schimpfwörter.
 Mitte Februar kamen Leni und zwei Amerikanerinnen, Lynn und Sujin, vorbei. Das war wirklich grandios und die beiden Amerikanerinnen waren sehr entzückend. Ich hatte ja wirklich keine Ahnung, was mich da erwarten wird. Der Besuch der beiden war mal wieder so eine Spontan-Totem-Aktion, die wir inzwischen schon sehr gewöhnt sind. Aber wir wurden definitiv nicht enttäuscht. Die beiden, u.a. auch Film- und Fotografiestudentinnen, waren ziemliche kreative Köpfe und ich konnte mich kaum retten vor kreativem Input.

Stadtrundgänge und Sightseeing-Trips wurden zum Abenteuer, da wird ständig auf der Suche waren, irgendwelche Gegenstände, die an Gesichter erinnern, zu fotografieren. Interessant waren auch die diversen Diskussionen mit den beiden, durch die ich viel Einblick in die amerikanische Kultur und Politik bekommen habe. Es war einfach mal etwas anderes mit Amerikanerinnen über ihr Land zu diskutieren, als immer nur aus der Ferne alles zu be- und vor allem auch zu ver-urteilen. Nach ihrem Besuch, habe ich mir fest vorgenommen, irgendwann auch mal in die USA zu reisen, einfach nur um eine etwas persönlichere Einsicht zu erhalten. Aber vorher habe ich noch einige andere Ziele – erstmal auf jeden Fall wieder Südafrika. Das ist so eine kaum stillbare Sucht…

 Ende Februar ging es dann mit den Salesianern in die Nähe von Klinovec, um dort den letzten Rest Schnee aufzusuchen. Unterwegs war ich mit einer Horde Breakdancern und HipHoppern zwischen 16 und 18 Jahren, dabei nur ein Mädchen, und vier Leitern.

Nachdem wir am Mittwoch unsere sehr gemütliche, aber auch sehr kalte Hütte bezogen hatten, ging es dann direkt noch abends zum „Nachtsnowboarden“ auf die Piste. Ebenso am nächsten Morgen, nachdem uns Milan mit Gitarrengesang geweckt hatte (so bitte möchte ich jeden Morgen geweckt werden!), ging es bereits wieder früh in die ‚Berge’ -  naja…ich würde sie jetzt nicht wirklich als Berge bezeichnen, sind eher so Hügel, die ans Sauerland erinnern.

Das Snowboarden am Donnerstag war dann leider eher ätzend: Es hat ununterbrochen geregnet und wir waren alle bis auf die Haut durchnässt und ich glaube, es hat sich keiner beschwert, als wir dann Mittags wieder in unsere Hütte zurückgekehrt sind. Die nächsten Tage wurde es dann aber zum Glück  besser – sogar geschneit hat es noch einmal und so hatten wir noch ein paar wundervolle Stunden im Schnee.

Von der Zusammensetzung der Gruppe war ich ganz entzückt – die Jugendlichen waren alle sehr süß und ich habe sie in diesen paar Tagen echt lieben gelernt. Anfangs hatte ich einige Bedenken, in wie weit ich mich in die Gruppe, allein schon Kommunikationstechnisch, integrieren kann. Jetzt kann ich sagen, dass es eigentlich gar kein Problem war. Den Tag auf der Piste z.B, habe ich ausschließlich unter den Jugendlichen verbracht und die haben mich wirklich überall mit hin geschleppt. Auch wenn es nicht immer ganz einfach war, sich zu verstehen – ist deutscher HipHopSlang für Ausländer auch so kompliziert?! – hat es irgendwie funktioniert. Und danach konnte ich dann auch wirklich die unterschiedlichsten und interessantesten tschechischen Schimpfwörter, die ich hier lieber nicht veröffentlichen möchte. Ich hoffe, nächstes Jahr zwischen Studium und anderen Aktivitäten werde ich wieder Zeit haben um mit ihnen in den Schnee zu fahren.

Am Sonntag Abend sind wir alle dann wieder zurück nach Plzen gefahren. Dort angekommen ging es für mich direkt mit Honza weiter nach Prag auf ein Konzert, für das Honzas Mitbewohner übers Radio Karten gewonnen hatte, selber aber nicht hinfahren konnte. Das war eine ziemlich spontane Aktion und ich hatte wirklich keinen Schimmer, was mich erwarten wird. Ein wenig skeptisch war ich ja schon. Dank Honza hatte ich mir auch schon mal 1 ½  Stunden Eric Ross angetan – ein unglaublich schreckliches Konzerterlebnis, dass ich gerne verdränge. Dieses Mal hatte ich aber Glück: Die Karten waren für ein französisches HipHop Konzert, dass einfach unglaublich war! Noch jetzt bin ich ganz entzückt, wenn ich daran zurückdenke. Auch die Rückfahrt nach Plzen habe ich in sehr guter Erinnerung - dabei durfte ich im Bus nämlich neben dem vermutlich tollsten Tschechen, der mir bisher hier begegnet ist, sitzen. Leider fuhr er weiter nach Amsterdam, aber immerhin die Fahrt bis Plzen konnte ich ihn toll finden, mit ihm über den Film Troja debattieren (hatte er bereits viermal gesehen – da wurde ich dann aber doch etwas skeptisch...) und seine M&Ms aufessen. Im Nachhinein erinnere ich mich aber nur noch schemenhaft an diese Rückfahrt und frage mich manches Mal, ob es nicht eventuell am Biereinfluss lag, dass ich dem Charme des Troja-Fans erlag?!

Nachdem ich dann irgendwann im Bett lag, musste ich nach vier Stunden schon wieder aufstehen, da Jana und ich zum Arzt mussten, um dort ein Dokument zu bekommen, das uns berechtigt in Cafés mit Lebensmitteln zu arbeiten. Seit Anfang März arbeiten wir nämlich bei Kacaba. Kacaba ist ein Café in dem Behinderte und Nicht-Behinderte zusammenarbeiten. Der Sinn Kacabas ist, Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt zu integrieren. Die Arbeit dort gefällt mir, solange nicht ätzende Praktikantinnen, die hinter meinem Rücken über mich lästern (und meinen, dass ich es nicht mitkriege – bin ja Ausländerin, kann nur begrenzt Tschechisch und bin demnach minderbemittelt…blablubs) da sind, auch sehr gut. Vorallem bin ich inzwischen super mit der Kaffeemaschine vertraut und kann inzwischen alles von Espresso bis Latte Macchiato perfekt zubereiten – also freut euch auf die Zeit, wenn ich wieder da bin. Die wundervolle Kaffeemaschine fehlt zwar, aber an sich kann man alles von Espresso bis Eiskaffee auch ohne besondere Gerätschaften vorbereiten. Das ich Clovicek gegen Kacaba getauscht habe war eigentlich die größte Arbeitsumstellung meinerseits. Die restlichen Projekte haben sich nicht groß geändert und viel gibt es von ihnen auch nicht zu berichten.

Das zweite Märzwochenende bin ich dann wieder auf weite Reise gegangen. Sechs Stunden bin ich mit diversen Bussen und Zügen gereist, um zu Lene in Prostejov zu gelangen. Denn Lene und ich wollten auf Entdeckungsreise gehen. Unser Ziel war Fulnek. Dieses Jahr habe ich nämlich von meinem Großvater erfahren, dass er in Ostrava (damals Mährisch Ostrau) zur Welt gekommen ist und daraufhin fünf Jahre in Fulnek (Nähe Ostrava) gelebt hat. Da Lene gar nicht so weit von Fulnek entfernt lebt, haben wir ein gemütliches Wochenende in Prostejov verbracht, mit chinesisch Essen gehen und Bier trinken in Olomouc, viel reden, gut kochen bei Lene Zuhause und einem samstäglichen Fulnekausflug. Zu Fulnek: Es ist ein ziemlich kleines Städtchen mit ein paar hübschen Häusern und Sehenswürdigkeiten. Dennoch leben könnt ich dort vermutlich niemals – dafür war einfach zu wenig los… Trotzdem haben wir einige interessante Sachen entdeckt, u.a. die Schule meines Opas. Natürlich wurde alles dokumentiert und festgehalten, um es meinem Opa an seinem 80. Geburtstag vorführen zu können. Für mich war es schon sehr interessant. Irgendwie war mir vorher noch nie klar, dass ich auch Wurzeln hier in Tschechien habe.

Das Wochenende darauf habe ich in Plzen verbracht und es kündigte sich mal wieder Besuch an. Zoryana (Ukrainin) und Noelie (Französin), beide auch Freiwillige, haben das Wochenende mit mir gemeinsam verbracht. Mit den beiden war ich auf den Seminaren und ebenso sind wir uns schon einige Male in Prag begegnet. Es war alles ziemlich lässig – ich glaube, wirklich viel haben wir nicht gemacht. Die meiste Zeit saßen wir eigentlich in Cafés und Restaurants, haben geredet und versucht Ukrainisch zu erlernen.

März und April: Rotwein en Masse. Abrisspartys. Dortmundflucht und nächtliche Einkäufe.
Nach diesem Chill-Wochenende kam am Mittwoch dann Marisa nach Plzen und daraufhin startete eine ziemliche rastlose Partywoche mit viel Alkohol. Viel bedeutet hier auch wirklich viel: Marisa war eine komplette Woche da und fünf dieser sieben Tage war ich (wir?) betrunken. Bereits am Mittwoch haben wir Wein en masse getrunken, so dass am nächsten Morgen alles nicht ganz so rosig aussah. Zum Glück musste ich nicht arbeiten und so hatten wir wenigstens eine Chance uns zu regenerieren. Dennoch war der Abend irgendwie zu heftig, sodass wir eigentlich nicht mehr zu viel in der Lage waren. Demnach haben wir den Tag zur Erholung genutzt, denn schließlich kam am Freitag Ulli nach, um unsere Truppe komplett zu machen. Mit Ulli im Gepäck ging es dann erstmal ins Kino. Ich habe nämlich als Freiwillige für das Filmfestival „Jeden Svet“ (=„Eine Welt&ldquo ausgeholfen und durfte so am Eingang des Kinos die Kinokarten abreißen. Anschließend zu dieser wirklich wichtigen Arbeit meinerseits, haben wir einen ziemlich langweiligen Film über uns ergehen lassen, um daraufhin einen Abend voller Wein, Bier, guten Gesprächen und viel Lachen zu starten.

Sehr verkatert haben wir uns irgendwann am nächsten Mittag Richtung Prag aufgemacht und dort eine Nacht bei Theresa verbracht. Den Samstag Abend haben wir erst auf einer ökologischen Farm mitten in Prag (dort arbeiten auch Freiwillige) verbracht, um uns das Fußballspiel „Deutschland – Tschechien“ anzuschauen und später dann im Akropolis, einem Prager Club, ausklingen lassen. Das mit dem Fußballspiel war wirklich eine sehr verzwickte Sache – als zehnmonats Tschechin darf ich mich da für Deutschland freuen?! Oder muss ich eigentlich hinter Tschechien stehen? Ulli und Marisa hatten es da natürlich ziemlich einfach: Für jedes Tor Deutschlands wurde ausgiebig gejubelt und mit (natürlich) Wein angestoßen. Ziemlich schnell wurden wir so unter den restlichen Freiwilligen und Tschechen unbeliebt, so dass wir nach dem Spiel direkt geflüchtet sind.

Den nächsten Tag hatten wir eigentlich für Sight-Seeing verplant, aber nach den drei Flachen Wein und ich weiß nicht, was sonst noch so, wurde es ziemlich hart für uns. Gegen Mittag waren wir ziemlich unglücklich auf den Beinen und haben uns den vielen Sehenswürdigkeiten Prags gestellt. Abends sind wir dann zurück nach Plzen und der Montag war dann eher erholsam mit lange ausschlafen, frühstücken, späterer Shoppingtour, ausspannen von dem vergangenen Partywochenende und sich bereit machen für unsere Abschlussparty am Dienstagabend. Die haben wir in Brázda gefeiert (unser Wohnzimmer und für Marisa und Ulli, die sich immer beschwert haben, und alle anderen: es gibt KEINEN Artikel! Brázda kann nicht die, der oder das sein. Deshalb heißt es auch „wir gehen Brázda“. Ist so, also Klappe Marisa&Ulli!).  Der Abend dort war einfach nur lustig – mit viel Fotbálek, Bier, Wein und andere Köstlichkeiten und dazu eine Menge amüsanter Tschechen oder Giovanni-Italienern. An diesem Abend kamen wir kaum aus dem Lachen raus – es war sogar höchst amüsant, dass Jana ihr Bier in den Kicker gekippt hat und danach das Klo geküsst hat. Über den nächsten Morgen schreib ich jetzt lieber nicht so viel. Ich war einfach nur froh, dass ich, nachdem ich Ulli und Marisa in den Bus Richtung Flughafen gesetzt hatte, wieder in mein Bett fallen konnte – natürlich mit dem festen Vorsatz nie wieder Alkohol anzufassen.

Dass ich kurz darauf in meinen Bodensee-Österreich-Snowboardurlaub und anschließendem Heimaturlaub verschwunden bin, fand ich nicht weiter tragisch. Ich finde, Brázda hatte eine Pause verdient – nach unserer kleinen Abrissparty...

Die ersten zwei Wochen des Aprils war ich ausschließlich in Deutschland und Österreich. Erst am Bodensee -  mein Opa wurde 80 und nebenbei waren wir  noch in Österreich zum Snowboard fahren. Danach war ich noch eine knappe Woche in Dortmund und habe dort endlich mal wieder die Vorzüge des eigenen Zimmers, der Badewanne oder des Fernsehers genutzt. Außerdem wurde ich 20 (viel zu alt!) und habe ein Bewerbungsgespräch für ein Praktikum hinter mich gebracht. Mein Geburtstag war ganz wundervoll. Alle, wirklich alle waren da (nur Evi war im Urlaub..) und wir haben einen gechillten Tag im Westpark verbracht, mit grandiosem Wetter, Grillen, Sekt und Bier.

 Direkt nach dieser kleinen Tschechienauszeit ging es turbulent weiter, denn Dortmund ist praktisch mit mir nach Plzen zurückgekommen: Nina hat mir meinen tschechischen Alltag mit ihrer Anwesenheit versüßt und wir hatten ein paar wundervolle Tage mit vielen grandiosen Momenten. Wir haben z.B. endlich mal die Chance genutzt mitten in der Nacht einkaufen zu gehen: Jana, Nina und ich im 24Stunden Tesco. Eine Geschichte für sich, die ich bestimmt nicht so schnell vergessen werde. Fünf Tage hat Nina meinen tschechischen Alltag auf den Kopf gestellt und als sie sich am Dienstag wieder auf den Weg nach Dortmund begeben hat, war es hier schon ein wenig ruhig. Die Ruhe habe ich dann aber gut genutzt, um mich auf meine große Reise mit Leni vorzubereiten.

Mai: Weg go East
Zwei Wochen voller Abenteuer in Bratislava, Budapest, Siofok, Zagreb und Ljubljana

Lene und ich hatten schon immer vorgehabt, ein wenig durch die Gegend zu reisen und Tschechiens Nachbarländer etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Das aber aus unseren Reiseplänen, eine so große Reise wurde, war uns am Anfang nicht klar. Aber nach ein bisschen hin- und herplanen, hatten wir eine Reiseroute erstellt: In zwei Wochen hatten wir uns fünf Ziele gesetzt.

Unser erstes Etappenziel war Bratislava. Untergekommen sind wir bei ein paar Hospitalitymitgliedern: Branko und Janko waren unglaublich süß -  haben uns mit Kaffee, Portwein und veganischem Essen verwöhnt und uns das Gefühl gegeben, dort zuhause zu sein. Wir hatten viel zu lachen, besonders mit Janko, dessen entzückender Stuttgarter Dialekt - besonders sein Lieblingswort „schon“ - uns sehr amüsiert hat. Ihre Wohnung war ein Traum von einer Altbauwohnung und am liebsten hätten wir dort unsere komplette Zeit verbracht, gechillt und Kaffee getrunken. Ging aber nicht, denn wir hatten ja noch viel vor. Als nächstes Ziel stand schon Budapest auf dem Plan. Dort haben wir ganze sechs Tage verbracht. Gelebt haben wir bei zwei Freiwilligen: Eefje aus Belgien und Pascal aus Frankreich. Die beiden waren sehr entzückend und hatten die Wohnung bereits voller Besucher, als wir dort ankamen. Französische Freiwillige, die derzeit in Schweden ihr EVS machen, waren zu Besuch, ebenso zwei Tschechen und zwei Ungarinnen. Es war wundervoll: Einfach mal wieder eine dieser typischen EVS-Culture Partys. Da fährt man nach Budapest und trifft Freiwillige, die derzeit in Schweden sind. Diese haben auf ihren Pre-Departure Seminaren Freiwillige kennengelernt, die grade in Tschechien sind und die wir wiederum kennen. Die Welt der Freiwilligen ist echt klein und ich bin immer wieder sehr fasziniert, von dieser Kulturen-, Sprachen- und Persönlichkeitenvielfalt. Wäre ich nicht nach Tschechien gegangen, hätte ich nie so unglaublich viele Leute aus verschiedenen Ländern kennengelernt. Es ist echt so großartig, zu wissen, dass man überall, egal ob jetzt in Tschechien, Schweden, Frankreich, Spanien oder der Ukraine, jemanden kennt und besuchen kann.

Aber zurück zu Budapest. Ich kann nur sagen, Budapest ist meine neue Lieblingsstadt! So etwas wundervolles und wunderschönes habe ich selten gesehen! Aber nicht nur die Stadt hat mich fasziniert, auch die Menschen haben mich in ihren Bann gezogen: Ungarn sind unglaublich – so was von fantastische Menschen! Nach zwei sehr amüsanten Abenden mit Ungarn (Freunde von Freundin von Lene) war für mich klar: Der nächste .Freund muss Ungar sein! Ich fühle mich auf jeden Fall sehr hingezogen zu dieser Stadt und möchte unbedingt noch einmal dorthin. In einer leicht angetrunkenen Nacht, haben Lene und ich uns auch versprochen, nächstes Jahr zum Sziget zurückzukehren. Nur über Geld und so denke ich dann ein anderes mal nach…

Nach Budapest ging es für Lene und mich weiter zum Balaton. Eine Nacht haben wir dort verbracht. Es war soweit in Ordnung – immerhin können wir jetzt behaupten, einmal am Balaton gewesen zu sein – aber an sich war es doch eher langweilig und unspektakulär. Das Problem war einfach, dass die Saison noch nicht begonnen hatte. Länger als diese eine Nacht hätten wir es dort kaum ausgehalten und deshalb konnten wir es kaum erwarten nach Zagreb zu reisen.

Dort hat uns Mia, auch Hospitalityclubmitglied, bereits erwartet. Die Zeit mit ihr war großartig! Mia, ein sehr positiver und offener Mensch, hat uns ihr ganz persönliches Zagreb gezeigt (Wir sind in einer Kneipe jetzt die „international friends" und das, obwohl sie eigentlich für eine wichtige Prüfung lernen musste. Ich hoffe echt, dass ich nächsten Sommer sehr reich sein werde und zum Sziget fahren kann, denn dann werden wir dort ganz bestimmt auch Mia wieder sehen und das wäre echt wundervoll. Mia hatte außerdem noch ganz süße Freundinnen und die Zeit verging mal wieder viel zu schnell und ehe wir es bemerkten, saßen wir wieder im Zug. Diesmal mit unserem letzten Ziel vor Augen: Ljubljana.

Ljubljana war die einzige Stadt unserer Reise, die ich bereits kannte. War aber nicht weiter schlimm, denn Ljubljana ist wirklich sehr besuchenswert und da macht es gar nichts, wenn man diese Stadt bereits kennt. In Lubljana wurde von uns hauptsächlich entspannt und der Tag in Cafés mit Kaffee und Essen en masse verbracht. Unser Gastgeber, auch von Hospitalityclub, war nämlich nicht ganz so entzückend. Er war zwar nett, aber irgendwie verdammt anstrengend.  Am Sonntag ging es dann zurück. Einmal durch komplett Österreich zurück nach Plzen, zurück zur Arbeit und ein bisschen Normalität – 14 Stunden im Zug und Österreichische Kurrentner habe ich dabei hassen gelernt.

Im Prinzip ist diese Reise kaum so kurz zusammen zufassen – dafür haben Leni und ich zu viele wundervoll Sachen erlebt und gesehen. Jedem, der auch einmal diese wundervollen Städte und Länder erleben möchte, kann ich unsere Route nur empfehlen. Funktioniert perfekt und ist sogar relativ freundlich fürs Portemonnaie.

Die letzten sechs Wochen: Festivals, letzte Partys, noch mehr Besuch und Plzen-Untreue
…Es ist bereits schon wieder unglaublich spät und eigentlich müsst ich langsam in mein Bett kriechen. Morgen muss ich schließlich früh aufstehen und arbeiten gehen. Dennoch ich möchte bzw. ich MUSS diesen Bericht jetzt vollenden. Es fehlt aber noch so unglaublich viel! Aber hey...ich bin schon auf Seite sechs und wer hat schon Lust so viel auf einmal zu lesen?! (bzw. zu schreiben?!...) Also jetzt alles ein wenig verkürzter. Natürlich war es mit dem Besucherstrom noch nicht vorbei: Mein Vater und meine Nachbarn und Anna standen noch aus. Ziemlich kurz hintereinander kamen sie vorbei und wir hatten fantastische Stunden gemeinsam.

Nach dem vielen Unterwegs-Sein oder Besucher im Haus haben, brauchte ich aber erstmal meine Auszeit. Ein Wochenende habe ich alleine in Plzen verbracht, nur mit einem sonntäglichen Pragbesuch, um dort Lisa und Özden zu treffen (machen derzeit in Wien EVS). War auch wundervoll, aber danach habe ich erstmal einen Rappel bekommen: Monatelang hatte ich immer Action um mich rum, Besuch aus aller Welt oder selber zu Besuch in aller Welt und nun auf einmal musste ich mich selber in Plzen bespaßen. Ein Wochenende ging das relativ gut, aber danach musste ich wieder weg. Deshalb bin ich zu einem Wochenende nach Usti nad Labem gefahren, wo ich mit vielen anderen Freiwilligen in einem Club für Romakinder ausgeholfen habe. Wir haben mit den Kindern verschiedene Workshops gemacht – Gipsmasken, Trommeln bauen, Portemonnaies basteln etc. War echt ein super Wochenende und ich glaube, die Kinder werden sich noch lange Zeit an die vielen Freiwilligen und die tolle Zeit, die wir gemeinsam hatten, erinnern.

Das Ustiwochenende war vor drei Wochen. Danach kam noch einmal Leni nach Plzen und wir haben hier gechillt, sind auf ein Konzert der tollsten Trommelgruppe auf Erden gegangen und waren am Plzener See.

Das Wochenende vor zwei Wochen war ich dann in Prag. Abschlusspartywochenende mit Reggae Joggling Festival und anschließender CrossClubParty. Mit dabei natürlich wieder Leni und ihre entzückende Mitbewohnerin Roxane. Es war einfach fantastisch! Ich hab so unendlich viele Leute getroffen, die ich seit dem Mid-term Seminar nicht mehr gesehen habe. Da war z.B. Melanie aus Frankreich oder Jenny aus Schweden, die Besuch von ihrer Freundin Carolin hatte oder Bojan, den ich auch nur einmal kurz in Prag für zwei Stunden gesehen hatte. Es war wundervoll und ich freue mich sehr, dass sich so unendlich viele Freiwillige dazu entschieden haben, in Tschechien bleiben zu wollen. Dadurch habe ich garantiert immer einen Schlafplatz in Prag sicher und kann noch oft zurückkehren und die tschechische Kultur genießen. Aber nicht nur Prager Freiwillige können sich nicht trennen, auch Plzen hat so seinen Bann. Während eine unserer Vorfreiwilligen fast jedes Wochenende in Plzen verbringt, werden Lukas und Beata  ganz hier bleiben. Nur Jana und ich sind untreue Seelen und werden nach Deutschland zurückkehren. Aber es ist vermutlich einfach etwas anderes – die beiden können fließend Tschechisch und sind dazu noch in Tschechen verliebt. Aber ich freu mich, erstmal für die beiden und dazu hab ich noch zwei Menschen mehr, für die es sich lohnt dann und wann nach Plzen zurückzukehren.

Jetzt habe ich aber noch gar nicht vom letzten Wochenende berichtet: Wir sind nämlich zum RealBeat Festival gefahren und es war sehr famos und ich bin noch immer schwer begeistert! Tschechiens angeblich größtes und bekanntestes Reggae und Dancehall Festival (gegen Summerjam natürlich ein Klacks...) und wir mittendrin. Von Freitag bis Sonntag haben Lene, Jenny, Jana und ich dort gecampt und die Nächte durchgetanzt. Das einzige nicht ganz so wunderbare war das Wetter. Freitag und Samstag hat es zwischendrin immer wieder geregnet, aber an sich war das Ganze nicht weiter schlimm. Für mich war es auf jeden Fall ein ganz wundervolles Abschlusswochenende.  Denn das kommende geht es ja schon  zurück. Am Donnerstag kommt schon Birgit mit ihrer Freundin und Sonntag, nachdem ich hier alles eingepackt und aufgeräumt habe, fahren wir in Richtung Dortmund.

Für mich ist es schon komisch -  zehn Monate in Tschechisch und jetzt auf einmal ist es vorbei. Ständig werde ich gefragt: „Bist du traurig?“ „Freust du dich auf Zuhause?“ „Wirst du wiederkommen?“ Klar, werde ich wiederkommen! Das ganz bestimmt und klar bin ich auch traurig. Aber ich denke, es ist so wie immer: Noch ist mir gar nicht klar, dass ich zurückgehen werde und etwas Neues anfängt. Das werde ich vermutlich erst mit der Zeit realisieren. Aber natürlich freue ich mich auf Zuhause. Die Vorfreude überwiegt derzeit um einiges. Mir reicht es irgendwie inzwischen, halbe Konversationen zu führen. Ich möchte mich mal wieder RICHTIG verständigen können. Ich möchte endlich wieder die Möglichkeit haben, alle Welt um mich rum zu verstehen und zu allem meine Meinung sagen zu können. Klar kann ich inzwischen ein bisschen Tschechisch, und klar, kann ich meine Meinung sagen und die Menschen um mich rum auch verstehen. Aber trotzdem ist es nicht genug. Viel zu oft kann ich nicht genau das ausdrücken, was ich eigentlich sagen möchte und oft verstehe ich auch nur die Hälfte dessen, was man mir eigentlich sagen will. Natürlich bin ich unendlich froh, inzwischen an diesem Punkt angekommen zu sein, denn ich erinnere mich nur zu gut daran, dass ich am Anfang wirklich gar nichts verstanden habe und auch nichts sagen konnte. Im Prinzip bräuchte ich noch mal zehn Monate in diesem Land und ich glaube, danach wäre ich perfekt. Allerdings habe ich ja schon andere Pläne für diesen Sommer und meine Zukunft und davon mal wieder viel zu viele – Summerjam, Praktikum, Amsterdam, Afrika Karibik Festival und dann hoffentlich ab Oktober Studium. Wo und was?! Herrje, fragt mich was besseres! Steht noch aus, aber ich hoffe, dass es mit Medienwissenschaften klappt. Also drückt mir die Daumen!

Die Zeit hier war auf jeden Fall sehr fantastisch und ich würde mich immer wieder auf so ein Abenteuer einlassen. Dafür habe ich viel zu viel erlebt und gelernt und jetzt ein paar wundervolle neue Freunde und Freundinnen aus ganz Europa, als dass ich mich nicht noch mal in die „tschechische Einöde“ stürzen würde (Zitat von Person bzw. Personen, die über meine Entscheidung sehr geschockt waren). Außerdem wenn man erstmal nicht mehr die Sicherheit seines Zuhauses hat, beginnt man wirklich zu schätzen, was man eigentlich daran hat.. Naja und bevor ich jetzt noch weiter blödsinnige Weisheiten von mir gebe und gleich schon auf Seite Acht bin, beende ich jetzt diesen Bericht. Das wars – jetzt stürze ich mich ins nächste Abenteuer und werde mal sehen, was ein Praktikum beim Radio alles so zu bieten hat.

(verzeiht mir, dass ich EWIGKEITEN nichts geschrieben habe und euch jetzt mit einem so langen bericht erschlage!)

28.6.07 14:39


Mal wieder ich...

Ein Monat ist es nun her, dass ich das letzte Mal von meinem Plzenleben berichtet habe. Während dieses Monats sind viele kuriose Dinge geschehen und ich  bin momentan noch etwas planlos, wo ich überhaupt anfangen soll mit meinem Bericht. Vielleicht am Anfang?! Der letzte Blogeintrag war unmittelbar vor meinem Mid-term Seminar, also heißt das in diesem Fall, dass ich genau da beginnen werde.

Das Mid-term Seminar:
Inspiration und Reflektion. Kein Schnee. Und nackte Tschechen.

Vorab zur Erklärung: Das Midterm Seminar findet gewöhnlich nach der Hälfte des Freiwilligendienstes statt und bietet Freiwilligen die Möglichkeit sich auszutauschen, Probleme zu klären, sich gegenseitig zu motivieren und zu inspirieren und gemeinsame Pläne zu schmieden.

Unser Midterm fand in Alberice statt, das ist in der Nähe der polnischen Grenze (3 km bis Polen) und befindet sich in den „Bergen“ (1200m?!). Wie schon letztes Mal angedeutet, wurde unser Seminar mit Absicht dort hinverlegt, um den vielen tollen Schnee zu diversen Wintersportaktivitäten zu nutzen. Aber Pustekuchen! Natürlich gab es dort keinen Schnee, bloß Schneeregenmatsche. Das ganze war natürlich nicht so prächtig. In Alberice fand sich dann mehr oder weniger die gleiche Truppe, die sich schon zum On-arrival Seminar getroffen hat, zusammen. Dann gab es fünf Tage Programm – es wurde erzählt, diskutiert, Vorgehensweisen präsentiert, wie man bei eventuellen Problemen handeln kann, sich über die Tschechen lustig gemacht und natürlich mal wieder unendlich viel gegessen. Ich glaube, solche Seminare finden u.a. nur deshalb statt, damit arme Freiwillige gemästet werden. Nicht wenige haben sich sowieso schon über Gewichtsprobleme beschwert. Zwei Kleidergrößen in fünf Monaten zugenommen?! Gar kein so unüblicher Fall. Dank fantastischen Genen, muss ich mir da glücklicherweise nicht so den Stress machen… Außerdem wurde das in den ersten Monaten geprobte Tschechisch angewandt und geübt und ich war echt erstaunt, dass sich neben Englisch auch noch Tschechisch zur allgemeinen Kommunikation hinzugefügt hatte. Natürlich wurde in allererster Linie Englisch gesprochen, aber dennoch kam es zwischendrin immer wieder vor, dass Tschechische Konversationen begonnen wurden.

Insgesamt war es wieder ein großer Spaß – einfach alle Leute wieder sehen und dabei merken, dass die allgemeine Gefühlslage ganz normal ist, dass mein Tschechisch gar nicht so schlecht ist und dass ich es insgesamt sehr gut getroffen hab. Wieso? Erstmal ist Plzen die fantastischste Stadt Tschechiens (haben sogar Prager zugegeben), dazu hab ich eigentlich nur gute Jobs und Arbeitsplätze, eine Menge zu tun und, im Vergleich zu manch anderem Freiwilligen, unendlich viele Kontakte. Es gab echt einige Freiwillige, die überhaupt nicht so richtig zufrieden waren – oft war die Arbeit nicht das, was sie erwartet haben, oder total langweilig, oder der Wohnort ist ein absolutes Winzkaff und die Kontaktaufnahme mit den Tschechen gestaltet sich nicht so einfach, wie anfangs gedacht.

Auf dem Seminar habe ich wirklich gemerkt, wie sehr zufrieden ich doch sein kann. Und das bin ich inzwischen eigentlich auch sehr. Ich habe sowieso das Gefühl, dass ich erst seit Anfang des Jahres wirklich akzeptiert habe, hier zu sein und hier zu leben, und seitdem geht es mir eigentlich auch richtig gut. Ich genieße es sehr, ein wenig dieser „Unmündigkeit“ entflohen zu sein – dank wenigen Tschechischkenntnissen kann ich endlich auch mal meine Meinung äußern (ok, z.T. nur sehr begrenzt, aber dennoch), Leute ansprechen und mich so definitiv viel mehr integrieren. Diese Erfahrung hier zeigt mir definitiv, wie wichtig Sprache zur Integration ist. Ohne geht es einfach nicht richtig und auf Dauer ist es echt ein scheiß Gefühl, immer „stumm“ zu bleiben – von daher, umso mehr mein Tschechisch wächst, desto mehr fühle ich mich wohl. Und das ist grade das fantastische: Jeder Tag bringt ein wenig mehr Sprache, ein wenig mehr Fähigkeit, in der Gesellschaft zu agieren und dadurch fühle ich mich jeden Tag ein wenig sicherer und wohler. Es gibt so kleine Glücksmomente hier, die mir wirklich zeigen, dass es sich lohnt, weiterzumachen, nicht aufzugeben und daran zu glauben, dass das mit dem Tschechisch und dem Zuhause-fühlen immer mehr wird. Eine Sache war z.B.: Ich war bei der Post und wollte mir Briefmarken kaufen. Dafür habe ich Briefmarken à 10 Kronen bestellt und die Frau hat mir erklärt, dass Briefe in andere Europäische Länder 11 Kronen kosten. Sehr verwirrend fand ich das! Schließlich habe ich immer 10 Kronen Briefmarken gekauft und benutzt. Deshalb habe ich mich daraufhin erkundigt, ob es einen neuen Preis gibt und die Frau hat mir erklärt, dass die Briefmarken seit dem 1.2. teurer geworden sind. Tja – manche denken jetzt, „was ein billiger Scheiß“, aber hey!, ich hab das alles auf Tschechisch geklärt. Ich war danach ganz schön stolz. Und auch, dass ich nicht mehr ständig aller Welt erklären muss, dass ich kein Tschechisch spreche, freut mich. Die merken sowieso, dass ich Tschechisch nur in Ansätzen beherrsche, aber das macht nichts, denn nur durchs Ausprobieren, Fehler machen, lernt man dazu. Und meistens sind die Tschechen dann sowieso total begeistert, denn wer lernt schon freiwillig Tschechisch?!

Ja – und nun hab ich vollkommen andere Geschichten erzählt und dabei wollte ich doch vom Seminar berichten. Also zurück zum Seminar. Da wir in der absoluten Pampa waren, war das ganze Seminar eher erholsam. Alberice besteht ungefähr aus acht Häusern und das sind eigentlich nur irgendwelche Pensionen oder Ferienwohnungen. Einen Abend aber, haben wir sämtliche Leute in eine Skibar, die extra länger für uns geöffnet hatte, geschleppt und haben dort, ich kanns leider nicht anders bezeichnen, ziemlich gesoffen. Sämtliche tschechischen Schnäpse wurden hervorgekramt und vernichtet. Dazu Pivo in Unmengen. Irgendwann tanzten sämtliche Freiwilligen zu Manu Chao, ich glaube mich daran zu erinnern, mit irgendwem Walzer (oder wars doch Polka?!) getanzt zu haben – obwohl ich das ja gar nicht kann – wir haben mit einem Tischtennisball gekickert (funktioniert mal gar nicht), es wurde stundenlang „Jungle Speed“ gespielt (amüsantes Reaktionsspiel, dass je nach Alkoholgehalt immer lustiger wird) und ganz plötzlich haben die dort auch anwesenden Tschechen Nackt getanzt. Fragt mich nicht, wie das kam, auf ein mal waren zwei nackt. Ich glaube, die meisten konnten sich kaum einkriegen vor lachen, nur Bojan, der ist fast ausgetickt und hat stundenlang auf die Tschechen eingeschrieen, sich doch bitte wieder die Hose anzuziehen. Insgesamt habe ich diesen Abend wirklich in guter Erinnerung, nur der nächste Morgen war dann nicht so erfreulich. Norakater mal wieder – ist ja klar. Nachdem ich Ewigkeiten überlegt habe, ob ich überhaupt aufstehen soll, habe ich mich dann doch irgendwann Richtung Kaffee gequält, um danach verzweifelt Menschen, mit Kopfschmerztabletten zu suchen. Blöderweise hat das nicht ganz so funktioniert, wie ich hoffte – entweder alle Freiwillige wurden so Anti-Schmerztabletten-mäßig wie ich aufgezogen, oder sie haben sie selber vernichtet. Nach dem Mittagessen haben Lene und ich dann beschlossen, uns den restlichen Teil des Programms zu knicken und sind im Bett verschwunden. Kater kurieren und so. Die anderen haben derweil einen Ausflug nach Polen gemacht – Motivationsspaziergang hat sich der Spaß genannt. Zum Glück bin ich nicht mit, meine Motivation wäre dabei nicht unbedingt gestiegen, aber dennoch fand ich es ein wenig traurig. Ich hatte so gehofft, danach behaupten zu können, in Polen gewesen zu sein. Aber nix da. Das werde ich wohl irgendwann mal nachholen müssen. Aber werd ich noch – ganz bestimmt.

Sturmfrei: Tschechische Bälle. Walzer. Langlaufen und Schneeköniginnen.

Freitag ging es dann wieder zurück nach Plzen und da hat mich ein sturmfreies Haus erwartet – Jana war Ski fahren und so konnte ich dann mal wieder ein wenig meinen Hang zum Chaos ausleben. Insgesamt habe ich jetzt eigentlich schon die dritte Woche Sturmfrei. Erst war Jana Ski fahren, dann hatte sie ihr Midterm Seminar und nun ist sie schon wieder unterwegs, in Berlin und dann vielleicht noch in der Schweiz. Diese sturmfreie Zeit war aber alles andere als Langweilig. Ich habe eine ganze Menge fantastischer Dinge gemacht. Erstmal hat es angefangen zu schneien und somit kam ich aus der Entzückung gar nicht mehr raus. Schnee! Und zwar richtiger Schnee! Nicht so Schneematsche wie in Dortmund.

Außerdem war ich auf einem tschechischen Ball und das war richtig super. Salesiani, eins meiner Projekt, hat einen Ball geschmissen und dort konnte ich natürlich nicht fehlen. Glücklicherweise hatte ich mein Abiballkleid eingepackt, sodass ich kein Klamottenproblem hatte, von wegen, woher ich noch so schnell ein schickes Kleid bekomme. Lukas habe ich überredet, mitzukommen und der Idiot hat mich ganz schön verarscht. Ich habe ihn gebeten, sich doch, irgendwo was schickes zu besorgen. Ich dachte mir, Lukas ist ja eine offene Person und kennt eine Menge Menschen hier, der wird schon irgendwo was finden. Leider war dies nicht der Fall und zudem hat er direkt am Anfang klargestellt, dass er keine Lust auf so ein „Auftoasten“ hat. Ich habe ihn also bekniet, sich doch wenigstens ein Hemd und ein paar schicke Schuhe zu besorgen. Ich hab uns echt schon auf dem Ball gesehen, ich im Kleidchen und er mit Baggypants und so herben HipHop Schuhen. Alptraum olé! Die Tschechen stehen nämlich auf schick anziehen und so. Ich bin dann also an diesem gewissen Ballabend mit Abiballkleidchen und Ballerinas durch den Schnee gestapft (einmal und nie wieder, sag ich da nur) und habe mir fest vorgenommen, mir die Kante zu geben, damit mir meine Hiphopperbegleitung nicht so peinlich ist. Als ich dann durchgefroren an der Bahnhaltestelle angekommen bin, um dort Lukas zu treffen, musste ich echt dreimal hingucken: Lukas komplett in Anzug mit allem Pipapo! Wow, sag ich da nur. Er sah echt gut aus – vor allem so krass anders. Aber ich war ganz stolz, jetzt konnten wir uns dort auch sehen lassen. Die Idee mit dem sich-die-Kante-geben, habe ich dann leider nicht wieder verworfen und so wurde es ein weinreicher Abend. Nach etwas zu viel Wein, wurde ich dann auch noch zum tanzen aufgefordert – das war für mich nur peinlich. Ich bin Milan nur auf den Füßen rumgetreten. Maunz – Walzer, da bin ich doch damals schon in der elendigen Tanzschule nicht durchgestiegen.. Der Abend war aber dennoch im großen und ganzen ein Erfolg.

Der einzige Nachteil, ich musste am nächsten Morgen um 4.30Uhr aufstehen. Um 6 Uhr fuhr nämlich mein Bus Richtung Sumava. Dort habe ich nämlich das Wochenende, zumindest von Samstag auf Sonntag verbracht, um Langlaufen mal auszuprobieren. Ich habe dort in so einem (Pfadfinder)Haus mit Beata, Michal und einigen Freunden von Michal verbracht. Das war echt super, obwohl ich leider zugeben muss, dass Langlaufen nicht mein Sport ist. Die Landschaft war zwar wirklich bezaubernd – alles weiß und unentwegt am schneien – aber dennoch war es ein wenig zu anstrengend und zu langweilig. Trotzdem eine super Erfahrung. Beizeiten werde ich auch mal versuchen, hier ein paar Fotos zu präsentieren. Also seid gespannt.

Das waren, glaube ich, meine zwei größten Abenteuer in letzter Zeit. Obwohl, wenn ich mich so recht entsinne, war das letzte Wochenende auch ein ganz großes Abenteuer.

 

Klara in Plzen: Einführung in die tschechische Kultur.

Dieses Wochenende hat mich Klara beehrt und es war ganz famos. Ich glaube, ich habe ihr die wichtigsten Sachen, der tschechischen Kultur näher gebracht – von Essen und Trinken, über Musik, bis zum Verhalten von tschechischen Supermarktangestellten. Klara hat echt alles mitgemacht und es war ein ganz großer Spaß. Wir waren ganz gechillt Teetrinken, in der vermutlich tollsten und gemütlichsten Cajhovna auf Erden, sind auf eine Jungleparty gelandet, haben mit diversen Tschechen in wohnzimmerähnlichen Kneipen gechillt und Unmengen an Medizinstudenten kennen gelernt. Ich hatte ganz ehrlich schon lange nicht mehr ein so lustiges Wochenende hier in Plzen. Ich glaube, wir kamen aus dem lachen kaum raus und es war so wunderschön, mal wieder eine meiner Liebsten um mich rum zu haben. Dank Klara, ihrer Liebe zum Fotosschießen und ihrer Digitalkamera habe ich jetzt auch ungefähr 500 Bilder, die nur darauf warten, hier präsentiert zu werden. Liebste Klara, danke noch mal für das fantastische Wochenende – du bist immer wieder willkommen. Die Essenseinladung steht ja noch. Das mit den Libellen überleg ich mir im übrigen auch noch..

Aber auch alle anderen, die noch überlegen, mich mit einem Besuch hier zu beehren – kommt nur vorbei! Könnt ja Klara fragen, die wird euch bestätigen, dass es sich lohnt und die Tschechen ein ganz amüsantes und liebenswertes Völkchen sind.

Ich freu mich auch schon auf meinen nächsten Besuch: Marisa und Ulli. Hui, das wird auch ganz großes Kino!

Bis dahin werden aber auch noch einige interessante Sachen passieren. Für das Wochenende wollte z.B. Lene vorbeikommen, außerdem kommen am Samstag zwei amerikanische Freiwillige für eine Woche, um die ich mich kümmern muss und Ende Februar gehe ich mit einigen Leuten von Salesiani Snowboard fahren. Ich befürchte nur, ohne Schnee – denn, ob man Ende Februar im Erzgebirge noch auf Schnee stoßen wird?! Fraglich ist es… Ansonsten wird’s halt leider ein Wanderurlaub. Ist zwar nicht ganz so fantastisch, aber ich freu mich trotzdem schon – das ist nämlich dann das erste Mal, dass ich irgendwo bin und nur Tschechen um mich rum sind, d.h. ich werde wohl oder übel zum Kommunizieren auf tschechisch gezwungen sein und das ist bestimmt gar nicht schlecht.

Dieses Wochenende hat auch Val (französischer Freiwilliger) Plzen mit einem Besuch beehrt. Boah – da war ich aber beeindruckt. Er ist jetzt auch seit September hier und spricht fließend Tschechisch. Ganz schön neidisch bin ich da geworden. Naja. Ich werds als Anstoß sehen, mich intensiver um mein Tschechisch zu kümmern.

So und jetzt chill ich grade auf meinem Bett und mir fällt auf, dass ich jetzt schon die vierte Seite schreibe. Es tut mir leid, aber es gab so viel zu berichten. Ich werd mich jetzt aber, glaube ich, doch mal dem Bett zuwenden. Das Wochenende mit Klara hat nicht so viel Schlaf gebracht und außerdem hab ich die (ehemalige?) Marisa-Krankheit. Ich fühl mich wie auf eine Fahrradstange gefallen und habe heute bestimmt schon fünf Liter Tee getrunken. Nicht so schön…

Also, werdet nicht müde vom vielen Lesen, genießt es - ich befürchte, so schnell schreibe ich nicht wieder.

Alles Liebe

Bis bald

Nora
13.2.07 10:23


Gechillte Tage und wenig Schlaf.

Eigentlich passt das nicht zusammen: Gechillte Tage und wenig Schlaf. Scheint etwas paradox, aber genau so ist es derzeit. Ich mache viel und irgendwie auch wieder nix. Habe ein laessiges Leben und komme dennoch nicht zum Schlafen. Allerdings nach der Dortmund-Party, war Erholung erstmal dringlichst angesagt. Verbringe daher meine Zeit auch eher mit Filme gucken (Laptop ist schon praktisch, auch wenn der Akku direkt schon kaputt ist), viel lesen, kochen oder einfach mit nix. Der Schlaf kommt dabei trotzdem zu kurz. Aber Kaffee ist derzeit mein engster Verbuendeter.

Das letzte Wochenende haben Jana und ich in Prag bei Bernd verbracht. War sehr nett, und auch wieder ziemlich laessig. Connelly und Co haben wir auch zweimal getroffen und es war echt sehr amuesant. Freitag Abend sind wir auf irgendeiner wirschen Dancehall-Elektro-Party gelandet. War super - so oft tanze ich in Tschechien ja nicht. Die Tschechen erscheinen mir auch nie so richtig als Taenzer. Das sind eher so die Chiller, die zusammensitzen und Bier trinken. Habe also das tanzen in Prag sehr genossen. Sonst sind wir wirklich nicht viel rumgekommen an dem Wochenende. Das großartigste, was wir auf die Reihe bekommen haben, war ein Moldauspaziergang am Samstag Nachmittag.

Ja und ansonsten entwickeln sich die Donnerstage derzeit zu meinen Lieblinsgtage. Irgendwie passieren in letzter Zeit immer tolle, lustige Sachen an Donnerstagen. Gestern habe ich naemlich mal mein Chiller-Dasein fuer kurze Zeit unterbrochen und bin mit Lukas, Beata, Jana und Sohaj einen trinken gegangen. Dabei sind wir dann durch Zufall auf einem Konzert von dieser Trommelgruppe gelandet, die ich schonmal gesehen habe. War wieder total fantastisch - Ich bin jetzt schon großer Fan. Leider habe ich festgestellt, dass ich irgendwie total untrainiert im waehrend der Woche weggehen geworden bin. Waren wir nicht frueher ganz oft an Donnerstagen im Keller und haben uns am naechsten Tag dennoch zur Schule gequaelt? Heute haenge ich mal total durch. Freue mich schon, um zwoelf nach Hause in mein Bett gehen zu duerfen. Was ansonsten so heute passiert, weiß ich noch nicht. Sohaj und Lukas wollen ins House of Blues. Keine Ahnung was das ist, dort war ich noch nie. Morgen laed Beata zum polnischen Abend ein, mit Essen und Film und so. Wird bestimmt ganz famos. Und naechste Woche geht es dann zum Midterm Seminar. Darauf freu ich mich echt schon sehr. Das ganze findet in Albertrice (oder so) statt, das ist ein Skiort in der Naehe der polnischen Grenze. Nur bloed, dass kein Schnee liegt. Wir haben das Seminar extra dort hinverlegt, damit wir dann den Schnee nutzen koennen, aber das koennen wir uns ja derzeit eher knicken. Wird aber bestimmt deennoch super.

Mein Tschechisch macht sich auch ganz gut. Als ich in Dortmund war, hab ich ja immer behauptet mein Tschechisch sei so, wie nach zwei Jahren Englisch lernen in der Schule (so 5./6. Klasseniveau). Aber nun wuerde ich fast sagen, dass es definitiv schon 7.Klasse, wenn nicht sogar schon fast 8.Klasse Niveau ist. Diese Fortschritte sind extrem motivierend: Endlich kann ich auch mal ein bisschen meine Meinung sagen. Man ist einfach nicht mehr so unmuendig, so stumm. Sprache ist echt schon ein wichtiges Integrationsmittel und das ich mich so langsam mehr integrieren kann, ist echt schon eine wichtige Sache und macht den ganzen Aufenthalt hier wesentlich netter uns schoener und spannender.

Aber nungut, genug fuer heute. Drueckt mit mal die Daumen, dass wir bei uns Zuhause Internet bekommen. Ich hab mal angefragt. Bezweifel es aber sehr. Naja, man weiß ja nie. Vielleicht liegt das Glueck ja mal auf unserer Seite.

Liebe Gruesse und schoenes Wochenende.

Nora*

12.1.07 10:57


Herrlichkeiten. In der Bahn mit dem Sofa. Lieblingslieder.

Hezky novy rok - Frohes Neues Jahr!

Fast zwei Wochen Deutschland liegen hinter mir und nun verweile ich wieder in Plzeň. Dortmund, Koeln und wieder Dortmund - es war einfach nur herrlich! Die Zeit ist praktisch verflogen. Kaum war ich da, musste ich auch schon wieder gehen. So kam es mir zumindest vor. Und auch, wenn die gefuehlte Zeit so knapp und kurz war, habe ich mich doch schon wieder sehr an das ranzige und doch auch unendlich tolle und schoene Dortmund mit all seinen bezaubernden Menschen gewoehnt. Vielleicht sogar ein bisschen zu sehr, denn auch, wenn ich inzwischen immer abgebruehter im Abscheid-nehmen werde, der Gedanke, all das ein halbes Jahr nicht zu haben, zu erleben, mitzukriegen, ist schon erschreckend. Im Juli komme ich zurueck und ob ich vorher nochmal nach Dortmund reisen werde, steht in den Sternen. Dennoch jetzt muss ich erstmal hier klarkommen, an meinem Tschechisch arbeiten und so hoffentlich auch hier weiterhin fantastische Dinge erleben. Und ich mein, was ist schon ein halbes Jahr?! Ich weiß ja, dass dort in Dortmund, Koeln, sogar in Port Elizabeth eine ganze Horde Menschen wartet. Und besonders schoen ist es, dass sich einige auch fuer mein jetziges Leben interessieren - nachfragen, zuhoeren und meine Erfahrungen teilen wollen.

  Waehrend dieser knappen zwei Wochen habe ich diverse neue Dinge schaetzen gelernt (oder auch nicht), z.B. wie schoen es ist eine Mutter in der Stadt leben zu haben (praktisch - man spart sich manchmal Nachts den Heimweg), dass man inzwischen auch mit dem Bruder feiern gehen kann, dass Sebastian Sturm ne geile Sau ist und dass manche Leute immer oberflaechlicher und langweiliger werden. Wichtig, denn man will ja wissen was man an den Menschen aus seinem Umfeld so hat.

Am Mittwoch, nach diesem Urlaub "zuhause" gings dann wieder zurueck nach Tschechien. Mit im Gepaeck das absolute Gefuehlschaos. Will ich dahin uberhaupt zurueck? Wo bin ich jetzt eigentlich zuhause? Dortmund, Plzen? Ueberall und Nirgendwo? So sicher wusste ich das alles nicht mehr. Die Dortmundzeit ist einfach an mir vorbeigerauscht, es blieb kaum Zeit nachzudenken, zu reflektieren, das Geschehene und Zukuenftige zu verarbeiten. Es war ein schoener, schneller Traum und viel zu schnell stand ich wieder am Flughafen, bepackt bis zum geht nicht mehr (Weihnachten und seine Auswirkungen...) und sollte mich nun zum xten Male verabschieden. Eine letzte Umarmung, ein letzter Kuss und schon war ich durch den Sicherheitscheck verschwunden und musste mich dort den Schikaneaktionen des Flughafenpersonals hingeben, d.h. Schuhe ausziehen und durchscannen lassen. Manche Dinge sind mir unbegreiflich - denken die, ich habe dort Bomben, Drogen oder vielleicht auch nur eine Nagelschere versteckt?! Noch ueber meine Schuhe mich aufregend, habe ich dann ein letztes Mal zurueckgeschaut, der Familie zugewunken, die Traenen runtergschluckt und mich unsicheren Herzens, nicht wissend was ich will, Richtung Flugzeug begeben. Und dann saß ich da - Prag ich komme, Plzeň ich komme. Und waehrend ich meiner neuen Heimat immer naeher rueckte, ordnete sich so langsam auch wieder das Gefuehlschaos und ich fing an, Plzeň entgegenzublicken, mich auf die Arbeit, die Leute, Fotbalek etc. zu freuen.

Und nun bin ich schon zwei Tage wieder im Lande. Die Zeit rauscht noch immer an mir vorbei. Saß ich nicht noch Dienstag mit den ganzen Maedels bei Steffi? Habe ich nicht noch Samstag mit Julili Sebastian Sturm angehimmelt und Sonntag den tollsten Ausblick meines Lebens genießen koennen (Feld in Lichtendorf - o. Soelderholz,...keine Ahnung, welcher Stadtteil?! Sylvester - Blick ueber die ganze Stadt)? War ich nicht vor einer Woche in Koeln? Schon heftig, wie viel in so weniger Zeit passieren kann. Und es hoert nicht auf. Gestern hatte ich mitunter einen der lustigsten Abenden hier in Plzeň. Lukaš, Freiwilliger aus Tschechien, ist aber derzeit fuer sein EVS in Dortmund, war hier, wir sind mit seinen Freunden und einem Sofa Bahn gefahren, haben dann in einer Studikneipe gechillt, mir wurde ein komisches tschechisches Kartenspiel beigebracht, dass ich noch immer nicht verstehe, wir sind irgendwann auf einer Bowlingbahn gelandet, wo ich den grandiosen vorletzten Platz gemacht habe - vor Berlin-Lukas und zudem habe ich auch endlich wieder Fotbalek gespielt. Um zwei bin ich im Bett gelandet und heute morgen hieß es dann wieder ab zu Totem und Senioren beim surfen beaufsichtigen.

Heute gehts dann nach Prag. Wir haben uns schon bei Bernd und Theresa eingemietet und spaeter treff ich dann auf Connelly und Konsorten. Die Uscher sind naemlich seit dem 1.1. in Prag und erleben dort eine Menge "komische" Sachen. Fragt mich nicht, was das heißt - ist eine Aussage von Connelly. Aber ich freu mich. Das wird bestimmt sehr amuesant.

Und so geht es weiter. Und deshalb lieb ich grade ganz besonders ein Lied von Sebastian Sturm:  "Time" -  Das ist ganz fabelhaft und passt sehr perfekt.

Time 

Time is rolling away
Nothing can stop the time
No one can make the time stay (repeat)

A Song about time
It is a time rhyme
A rhyme about time
I sit and watch the clock
I see the seconds run
I know they never coming back

Another day is gone
I wonder and I ask
Where the time run

Another year is gone
Yesterday I was young
Today I am an old man

Time is rolling away
Nothing can stop the time
No one can make the time stay (repeat)

Everything takes time
To sing this time rhyme
Takes the time rhymes time
The time used to be
Sometimes your friend or your enemy
No one can stop
No one can keep it or hold it up
The time just go on
Nowhere to hide nowhere to run

The time runs quick and the time run fast
The time don't stop and the time never ask
Time got no time
Time got no time
The time runs quick and the time run fast
The time don't stop and the time never ask
Time got no time
Time got no time

Time is rolling away
Nothing can stop the time
No one can make the time stay (repeat)

 

(nachdem ich jetzt ungefaehr achthundert mal Sebastian Sturm erwaehnt habe, solltet ihr doch mindestens alle Fan werden :D)

5.1.07 10:40


Weihnachten. Unmengen Kekse. Trampen und meine ersten Versuche im tschechischen Fernsehen

Viel ist in letzter Zeit passiert und waehrend ich diese Zeilen tippe, faellt mir auf, wie oft ich doch diesen Satz schon geschrieben habe. Aber hier kommt man ja aus dem Erleben nicht heraus. Da mir jetzt aber kaum die Zeit bleibt, ausfuehrlich zu berichten, reisse ich alles nur einmal kurz an.

Vor zwei Wochen habe ich das Wochenende in Ostrava verbracht, und dabei mal wieder unendlich viele Freiwillige kennengelernt und getroffen. Die Fahrt nach Ostrava war schon ein kleines Abenteuer ansich. Trampen ist definitiv eine sehr effektive und billige Fortbewegungsmethode in Tschechien. Beata und ich standen noch keine zwei Sekunden an der Straße und schon hat uns ein netter Mensch bis fast nach Ostrava mitgenommen. Die verbliebenen Kilometer haben wir noch mit dem Bus zurueckgelegt. Die Rueckfahrt war dann genauso fantastisch. Diese Art der Fortbewegung werde ich ab nun wohl oefter betreiben - man spart definitiv einiges an Geld und als arme Freiwillige kann das sehr von Vorteil sein.

Ja und sonst sind auch einige wirsche und krasse Sachen passiert. Die Geschichte von Katka kennt ihr vermutlich fast alle und so hier "in der Oeffentlichkeit" moechte ich kaum darueber berichten. Jana und mir liegt die Sache definitiv noch schwer in den Knochen und von daher ist es jetzt erstmal gut, dass wir nach Deutschland fahren, um davon ein wenig Abstand zu kriegen.

Das letzte Wochenende haben Jana und ich sehr der Weihnachtsvorbereitung gewidmet. Man konnte unser trautes Heim fast schon als Weihnachtswerkstatt bezeichnen - da wurde gebacken, gekocht, getrunken, gebastelt und gepackt. Die Weihnachtsfee Jana hat sich dem Kekse kreiren verschrieben. Ich muss dabei leider zugeben, dass ich mich nur zum verzieren opfern konnte. Und nun sitzen wir auf einem Riesenhaufen Schokocrossies, Keksen, Lebkuchen und allerlei anderen Leckereien, die es nun zu verspeisen oder zu verschenken gilt.

Samstag war ich mit Honza und Jirka auf einem Jazzkonzert. Das war eigentlich sehr nett. Und danach haben wir eine eeeeewiglange Tour am Fluss entlang gemacht. Eigentlich wollte ich ja nach Hause, aber die beiden haben mich dann noch zu einem Spaziergang ueberredet. Im Endeffekt bin ich dann, ich befuerchte, drei Stunden am Fluss entlanggelaufen. Von 22 - 01Uhr. Und am Ende haben wir an irgendeinem See gechillt, Steinchen auf den zugefrorenen See geschmissen und uns an dem dadurch produzierten Geraeusch erfreut. Angetrunken wie wir waren, konnten wir uns von diesem kaum losreißen. Danach war ich natuerlich, wie sollts auch anders sein, total durchgefroren und hab auch noch meinen Bus nach Hause verpasst. Die Zeit fuer den naechsten Bus (eine Stunde) durfte ich dann netterweise bei den beiden ueberbruecken und mit Tee wieder auftauen.

Ansonsten muss ich noch unbedingt von meiner Fernsehkarriere erzaehlen. Ich habe es doch tatsaechlich ins tschechische Fernsehen geschafft (okeee - Regionalsender..). Totem hatte irgendein Treffen, bei dem sie allen Freiwilligen gedankt haben. Dabei war auch ein Fernsehteam und hat alles dokumentiert. Ich dachte, die waeren extra von Totem engagiert worden, um das alles fuer Totem festzuhalten und hab danach natuerlich auch bereitwillig mein erstes tschechisches Interview gefuehrt (ojaa...). Nun kam letzdins freudestrahlend Jana, die arbeitet bei Salesiani, zu mir und berichtete mir, dass sie mich doch im Fernsehen gesehen hat. Ola - ich war auch sehr ueberrascht. Vorallem hab ich voll den Mist erzaehlt und wusste mindestens die Haelfte der Woerter nicht...

NUngut - jetzt muss ich aber unbedingt weiter. Muss heute noch die Wohnung putzen, packen und spaeter zu Bojan nach Prag. Morgen gehts dann unendlich frueh (6Uhr) zum Flughafen und dann ab nach Dortmund - ich freu mich.

Also ich wuensche allen ein ganz famoses Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Auf tschechisch heißt das dann: Hezky Vanoce a stastny novy rok!

22.12.06 11:49


Prostějov. Erkaeltungen. Wenig Schlaf und Regensburg.

Nach einer Woche melde ich mich wieder zu Wort. In der letzten Woche ist viiieeel passiert und somit gibt es eine Menge zu erzaehlen.

Das Wochenende habe ich, wie letzte Woche schon angekunedigt, in Prostějov (das ist in der Naehe von Olomouc) verbracht und ich bin noch immer ganz entzueckt, wenn ich daran zurueckdenke. Es war einfach ganz fantastisch Plzeň mal zu verlassen, andere Menschen zu treffen und neue Dinge zu erleben. Es fing auch schon sehr amuesant an. Und zwar bin ich direkt nach der Arbeit in Richtung Prag aufgebrochen. Bis dorthin bin ich auch ganz ohne Probleme gekommen, aber dann fing es an, problematisch zu werden. Meint ihr, dass ich daran gedacht habe, mir ein Ticket fuer den Bus zu kaufen?! Nein, natuerlich nicht! Aber denke ich daran, dass der Bus voll und ausgebucht sein koennte?! Das natuerlich auch nicht. Da stand ich dann also in Prag und hatte keine Ahnung, wann und wie ich weiterkommen sollte. Ich bin schon saemtliche Moeglichkeiten im Kopf durchgegangen - Zug fahren oder anderen Bus nach Brno oder Olomouc suchen und ab da weiter mit dem Zug. Aber saemtliche Busse waren voll und die naechsten freien fuhren erst wieder am spaeten Abend. Und da es von Prag nach Prostějov ca. 3 Stunden sind, waere das ganz schoen doof gewesen. Dann waere ich naemlich erst irgendwann spaet in der Nacht angekommen und haette Ewigkeiten in Prag rumgehangen. Zug fand ich auch nicht so verlockend - dauert ewig und dazu tausend mal umsteigen. Ich bin dann also zu dem eigentlich schon vollen Bus und habe dort den allerfantastischsten Busbegleiter gefragt, ob ich mitfahren kann, wenn eine Person nicht auftaucht. Das hat dann auch ganz gluecklicherweise geklappt, aber erstmal nur bis Brno. Dort musste ich wieder warten, ob eine Person nicht kommt (Busbegleiter meinte 10% Chance) und dabei hatte ich dann gleich ein zweites Mal Glueck und habe dabei den allerletzten Platz bis Prostějov ergattert. Das Stueck Brno - Prostějov musste ich noch nicht mal bezahlen. Dieser Busbegleiter war einfach so fantastisch - den haett ich am liebsten geheiratet. Aber alle Busbegleiter von Student Agency (Busunternehmen) sind total toll und nett. Sowieso bin ich großer Student Agency Fan - man bekommt Tee, Kaffee und Kakao umsonst, Zeitungen, Filme mit englischen Untertiteln, kann Musik hoeren und all so einen Kram. Sehr famos. Weil dann alles so fantastisch geklappt hat und ich so ein großes Glueckskind bin, bin ich dann wie geplant in Prostějov angekommen und habe dort Lene und Johannes getroffen. Johannes ist auch Freiwilliger und lebt derzeit in Ostrava. Waren dann noch was trinken - was sehr amuesant war. Die beiden haben mich mit viel Berlin-Arroganz beeindruckt. Immer diese Berliner... Sehr krass. Aber ich kenn jetzt hier echt schon fuenf Berliner. Samstag haben wir uns dann ein wenig Prostějov angeschaut und waren dort im juedischen Museum, bis wir dann Abends nach Olomouc sind und Johannes zurueck nach Ostrava. Olomouc ist ein sehr suesses Staedtchen und auch dort konnten wir uns vor Freiwilligen nicht retten. Nachts sind wir dann wieder zurueck in die Metropole Prostějov (50 000 Einwohner) und haben dort bis sechs Uhr morgens bei Lene gechillt und gequatscht. War super nett. Nur bloed war, dass ich am naechsten Morgen ziemlich rechtzeitig wieder aufstehen musste, um zurueck nach Prag zu reisen. Bin dann auch gegen 17Uhr ziemlich fertig in Prag angekommen (dieses Mal ohne Busticket-Komplikationen) und habe mich dort mit Honza, Hora und Thomaš getroffen. Wir sind dann naemlich noch auf ein Konzert gegangen. Irgendwas im Rahmen des Alternativa Festivals. Am Anfang dacht ich noch, dass das total cool werden wird, aber am Ende war ich eher enttaeuscht. Ich habe ein halbes Vermoegen ausgegeben, um den schlimmsten aller schlimmen Musiker zu erleben: ERIC ROSS! Schon mal was von dem gehoert?! Wenn nicht, lasst euch gesagt sein, es ist besser so. Ich weiß noch nicht mal, ob man den Monsieur Musiker nennen kann. Eigentlich hat er die ganze Zeit nur auf seiner E-Gitarre rumgeschrammelt, auf seinem Klavier rumgehauen und noch andere sehr seltsame, elektonische, mir unbekannte Instrumente gespielt... Vermutlich war es das fuerchterlichste was ich je gesehen und, was noch viel dramatischer ist, gehoert habe. Dennoch hatte ich, dank der amuesanten Jungs, sehr viel Spaß und das tollste, die Busfahrt nach Plzeň konnte ich mir sparen - ich wurde naemlich direkt mit dem Auto nach Hause kutschiert. Sehr fein.

Ich hab echt den Eindruck, wo man hinkommt, laufen einem Freiwillige ueber den Weg. Dieses Wochenende z.B. auch schon wieder. Beata und ich werden nach Ostrava reisen, um dort weitere Freiwillige zutreffen. Aber es ist total super. So bin ich immerhin unterwegs, erleb unendlich viel und komm ein wenig raus aus Plzeň. Obwohl mir Plzeň auch schon ein wenig fehlt. Das ist dann jetzt das vierte Wochenende in Folge, an dem ich eigentlich relativ begrenzt Plzeň erlebe. Erst war ich in Dortmund, dann haben wir das komplette Wochenende gestrichen, dann Prostějov und nun Ostrava. Naechstes Wochenende werde ich aber definitiv in Plzeň bleiben. Ist ja schließlich das letzte Wochenende erstmal, bevor ich schon wieder nach Dortmund komme und das wuerde ich dann gerne nutzen um mit Lukas, Beata und Jana ein bisschen Weihnachten zu feiern. Jana und ich haben und auch schon große Dinge vorgenommen: Kekse backen, Pralinen machen, undendlich viel Gluehwein trinken und nur so Weihnachtszeug.

Bei uns sieht es auch sehr weihnachtlich aus. Jana, die Weihnachtsfee, hat alles geschmueckt und ich kann mich kaum retten vor Weihnachtsschnickschnack. Ist aber alles sehr suess und dieser ganze rote Kitsch passt perfekt zu den lachsrosa Waenden.

Ja und was kann ich sonst noch berichten?! Meine Kicker-Karriere wurde nun erstmal auf Eis gelegt. Dienstag wollten Lukas und ich ja die Kicker-Schule besuchen, ABER Lukas hat mich versetzt. Der schwebt naemlich derzeit auf Wolke Sieben und hat fuer anderes nicht so den Kopf. Habe ich aber natuerlich Verstaendnis fuer, zudem war es mir auch ganz recht. Ich bin naemlich derzeit schon wieder krank (da wenig Schlaf und viel Stress und blaa) und deshalb war es sehr nett, den Dienstag Abend zu schlafen, anstatt zu kickern und Bier zu trinken.

Gestern waren wir in Regensburg, mit den Senioren von Totem. War sehr nett. Regensburg ist ein sehr schoenes Staedtchen (wenn man von den viel zu vielen arroganten bayrischen Menschen absieht..) und ich war auch ein bisschen Weihnachtsgeschenkemaeßig aktiv. Allerdings habe ich vermutlich die Haelfte der Zeit mit Handy am Ohr verbracht. Saemtliche Base-Menschen haben angerufen. Aber so eine Chance kann man sich natuerlich nicht entgehen lassen...

Ansonsten haben Jana und ich diese Woche vermutlich das krasseste erlebt. Das erzaehle ich aber lieber persoenlich. Unsere slowakische Mitbewohnerin ist naemlich verschwunden und was darauf passiert ist, oje, fragt mich lieber selber. Nur soviel: Sie ist derzeit im Krankenhaus.

Fein - jetzt habe ich ja schon wieder einen ganzen Roman geschrieben. Wollte ich gar nicht. Eigentlich wollte ich mich fuer meine Konversation am Montag vorbereiten.

Also ich wuensche allen ein krasny vikend! Wuenscht mir Glueck, dass Beata und ich nach Ostrava kommen - wird bestimmt sehr abenteuerlich heute. Alles was ich dazu sage: Wir haben nicht vor Geld fuer Bus- oder Zugtickts auszugeben. Aber keine Sorge. Das ist in Tschechien eine der gaengisten Fortbewegungsmoeglichkeiten.

Liebste Grueße

Nora

8.12.06 10:48


Lachsfarbene Zimmer. Traeume auf Tschechisch. Und allerlei zu tun.

Hallo ihr Lieben,

nun verweile ich schon wieder seit zwei Wochen in Tschechien. Die Zeit in Dortmund ist wie im Flug vergegangen und viel zu schnell saß ich schon wieder im Flugzeug Richtung Prag. Dortmund war grandios. Wirklich wie immer und deswegen einfach ganz famos!

Seit meiner Rueckkehr nach Plzen sind fast schon wieder zwei Wochen vergangen. Mir kommt das gar nicht so vor. Denn auch hier verfliegt die Zeit - ich wuerde fast behaupten, dass ich seit langer langer Zeit mal wieder ein wenig gestresst bin. Durch die lange Pause nach dem Abi, bin ich das schon fast gar nicht mehr gewoehnt. Dennoch muss ich sagen, dass mir mein Leben momentan gefaellt. Ich hasse es, wenn die Zeit stockt und ich das Gefuehl habe, dass nichts passiert. Aber grade passiert irgendwie ein ganze Menge - und das ist gut so.

Das letzte Wochenende z.B. haben Jana und ich damit verbracht unser Zimmer zu streichen. Pepa (unser Hausmeister), sie und ich, haben das komplette Wochenende gestrichen, geputzt und das Zimmer aus-  und wieder eingeraeumt. Jetzt hat unser Zimmer auch die wundervolle Farbe Pastell-Lachs-Orange. Wenn ihr euch jetzt fragt, ob ich einen leichten Schatten habe und auf so interessante Farben stehe, ist das sehr verstaendlich. Hab ich aber nicht. Wir hatten uns eigentlich eine andere Farbe vorgestellt, aber da die Tschechen ihre Farben fuerchterlich viel mit Wasser strecken, ist am Ende halt leider diese Farbe herausgekommen. Nunja - immerhin ist es jetzt schoener als vorher und das ist erstmal die Hauptsache. Pepa hat unser Bad zum Glueck gleich mit gestrichen - das ist jetzt weiß und nicht mehr schimmel-gruen. Im Großen und Ganzen war die Aktion sehr erfolgreich, wuerde ich behaupten. Schon allein, dass wir unser Zimmer von Grund auf gesaeubert haben. Ich hab noch nie so viel Staub gewischt und gestaubsaugt an einem Tag. Ich weiß ich weiß, das spricht nicht grade fuer uns und unsere Putzmethoden (naemlich keine), aaaber bei uns staubt es einfach viel zu schnell zu und wir verruecken ja nicht jedes mal diese riesigen und schrecklich schweren Schraenke. Das dazu. Jana und ich haben uns dann direkt noch eine Lampe gekauft und jetzt fehlt uns nur noch zu unserem Glueck ein Sofa. Das zu bekommen, ist aber gar nicht so einfach...

Waehrend der Woche bin ich mit tausenden Terminen zugestopft. Morgens meist Arbeiten und spaeter noch irgendwelche Konversations-, oder Fotbalek-, oder Sporttermine. Die Arbeit ist nach wie vor sehr cool. Manche macht mehr Spaß, andere weniger. Bei Človiček (dort bin ich jeden Montag) z.B. bin ich die Papierqueen. Jede Woche muss ich Papier selber herstellen (weil ich das ja so gut kann blabla..) - das Papier wird dann anschließend zum Weihnachtskarten basteln und drucken verwendet. Ansich macht diese Handpapier-Produktion auch Spaß, aber jeden Montag das Gleiche?! Zum Glueck ist Weihnachten bald vorbei und danach darf ich mich vielleicht anderen Aufgaben widmen.. Obwohl, dann ist ja auch bald schon Ostern etc. und vielleicht wird dafuer auch Papier benoetigt?!... Dienstags dann verbringe ich meine Zeit weiterhin mit Konversation und bringe den Muettern bei Totem Deutsch und Englisch bei. Spaeter dann geht es zum Bahnfahrjob. Hierbei versuche ich noch immer den Sinn herauszufinden. Das Maedchen naemlich, dass ich betreuen sollte, gibt es nicht mehr (keine Ahnung wieso...) und nun muss ich immer nur als Notfallassistentin einspringen. Ich fahre also dorthin, schaue ob es Arbeit gibt und gehe dann wieder. Ziemlich verschwendete Zeit - aber was solls... Den Mittwoch verbringe ich weiterhin bei Ledovec und arbeite dort in der Weberei. Donnerstags wieder Ledovec, aber dann Švičkarna, Kerzenwerkstatt, und Nachmittags Jugendclub. Und der Freitag ist weiterhin Totem und dem Internetclub gewidmet. Nach diesem Jahr kann ich auf jeden Fall saemtlichen Kreativmist - Kerzen herstellen, Weben, Filzen, Naehen, Toepfern, Papier produzieren und bedrucken,... Schon fast eine halbe Ergotherapeutinnenausbildung. Dieser Beruf wird mir hier auch staendig nahegelegt, aber nein, ich habe mich jetzt dazu entschlossen, erstmal nichts soziales zumachen. Was ich aber stattdessen machen moechte, weiß ich noch immer nicht, aber ich habe ja auch noch ein bisschen Zeit...

Also Jobmaeßig ist wirklich noch immer fast alles beim alten. Da ich jetzt langsam Fortschritte mit meinem Tschechisch mache, wird es auch immer leichter, mit anderen zu kommunizieren. Großartig lange Reden halten, kann ich zwar noch nicht, aber ein bisschen was sagen und verstehen, klappt schon ganz gut. Ich traeume auch schon in kleinen Teilen Tschechisch - zumindest behauptet Jana, dass ich manchmal im Schlaf tschechisch spreche. Ich habe jetzt endlich auch meinen Konversationspartner gefunden: Michal. Wir treffen uns jetzt immer Montags und ich versuche Tschechisch zu sprechen und er Deutsch (hat 8 Jahre Deutsch gelernt, aber auch Jahre nicht mehr gesprochen). Das ist definitiv sehr amuesant und fuer mich eine sehr gute Uebung.

Weiterhin kann ich berichten, dass ich ab naechste Woche vermutlich die Fotbalek-Škola, also Kicker-Schule, besuchen werde. Jeden Dienstag kann man in einer Kneipe zwei Stunden ueben und irgendwelche Tricks lernen. Lukas und ich dachten, dass sei eine gute Sache und werden uns von daher dort anmelden. Wir haben hier naemlich großes vor und die Tschechen sind so verdammt gut - das ist unglaublich. Aber die Tschechen haben ja auch eine sehr ausgepraegte Kneipenkultur - sie sind ja nicht umsonst, das Land mit dem meisten Bier- (und auch Gras-) Verbrauch und da ist es kein Wunder, dass sie alle goettlich kickern koennen.

Dieses Wochenende werd ich nach Prostějov fahren, dort lebt Lene aus Berlin. Ich bin sehr gespannt und freue mich schon sehr, da ich endlich mal wieder raus aus Plzeň muss und andere Teile Tschechiens kennenlernen will. Prostějov ist in der Naehe von Olomuoc und es ist ein ganz schoenes Stueck bis dorthin - 5 Stunden bin ich unterwegs. Aber dennoch, ich bin mir sicher, dass es ganz großartig wird. Sonntag Abend werde ich vermutlich in Prag auf ein Konzert gehen. Das findet im Rahmen des Alternativa Festivals statt. Keine Ahnung, was genau und wie genau das ist, aber Honza (arbeitet bei Ledovec) hat mich dazu ueberredet. Also ich bin gespannt.

Und noch etwas kann ich berichten: Ich werde Ende Januar Langlaufen gehen. Oja - ich bin freu mich, obwohl ich bisher noch nie die Ambitionen hatte, Langlaufen zu gehen (: Aber ich wurde eingeladen und wieso nicht. Wird bestimmt ein großer Spaß und Schnee ist immer gut.

Fein - dann hab ich ja jetzt erstmal wieder genug fuer die naechsten paar Wochen geschrieben.

Ich wuensch euch allen ein hezky vikend und eine schoene Adventszeit und all sowas. Vom 23.12 - 03.01 bin ich in Dortmund. Maunz. Das ist ja schon ganz bald und ich muss mir echt mal Gedanken wegen Geschenken etc. machen...

Jetzt reichts aber. Also machts gut. Bis bald und Ahoj

Nora 

 

1.12.06 10:24


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